Die Linke und ihre Flügel
Angefangen hat alles am vorletzten Tag des Wendejahres 1989. Am 30. Dezember gründete sich die Kommunistische Plattform, eine Woche später gab es einen »Sozialdemokratischen Studienkreis«. Eine Partei, der das bisher als Teufelszeug galt, entdeckte den Pluralismus und tat, was seit Jahrzehnten regelrecht verboten war: Sie ließ zu, dass sich Fraktionen bildeten, Arbeitsgemeinschaften, Plattformen. Heute gibt es in der fusionierten Linken 25 Zusammenschlüsse, die den Kriterien der Satzung entsprechen, weitere 15 erfüllen die Anforderungen an Mitgliederstärke und regionale Verbreitung nicht. Es gibt Expertenzirkel, Themenspezialisten, Traditionsvereine. Und natürlich die politischen Strömungen – einsortiert in ein Koordinatensystem, das zwar rechts und links unterscheidet, damit aber nur selten ihren richtigen Ort bestimmt. Jede der Suborganisationen sei wichtig, sagt Gysi. »Aber die Strömungen sind nur eine Minderheit.« Immer wieder hat das Flügelschlagen für Debatten gesorgt. Nun soll grundsätzlich über die Plattformen und Foren nachgedacht werden. Weiter im Neuen Deutschland
Drucken
“Es ist die Begleitmusik zur Lage einer Partei, die oft eher wie ein
Bündnis erscheint.” Ich finde, Tom, du übersieht m.e., das einigen/vielen die LINKE lieber bündnis als weltanschauungspartei ist. und, dass es sowas noch nie gab: eine pluralistische partei. Ich wäre nie in DIE LINKE eingetreten, wenn ich sie nicht als breites Bündnis verscheidenster LINKEr Kräfte “für einen neue soziale Idee” verstanden hätte, vor allem das Bündnis von reformisten und reolutionären….
darin liegt ihre hisatorische einmaligkeit. “frente amplio”, unidad popular” etc.
Mir war schon in der PDS wichtig, daß sie Partei und Bewegung zugleich sein sollte. Das gilt in der LINKEN natürlich ebenso. Sie soll Raum zur Entfaltung bieten, für Personen ebenso wie für Gruppen, und kein Machtwort eines Großen Vorsitzenden soll Diskussionen abwürgen können, auch wenn das einem altgedienten Kommunisten, Sozialdemokraten oder Gewerkschafter unheimlich sein mag. Deshalb sind auch die Strömungen eine gute Sache, wenn sie sich als Ideensammler und -entwickler verstehen (um nicht das Wort „Think Tank“ zu verwenden).
Kritisch wird es, wenn die Zugehörigkeit zu einem der „Zusammenschlüsse“ als Fahrkarte nach oben dient oder wenn Strömungen sich in erster Linie durch Abgrenzung von anderen Strömungen definieren, also nicht positiv „Das wollen wir und dafür stehen wir“, sondern negativ „Das wollen wir nicht und den finden wir doof“. Solche Tendenzen gibt es zur Zeit auf allen Seiten. Das war schon mal schlimmer, es war aber auch schon mal besser. Das sorgfältige Proporz-Abwägen vor jeder Personalentscheidung macht die Sache eher schlimmer als besser, zumal es dazu beiträgt, daß die Strömungen in den Leitungsgremien grotesk überrepräsentiert sind.
also zumindest das fds hat gerade noch einmal aktualisiert, mehr für etwas zu sein als gegen etwas – und für den diskurs und gegen dogmen. solch positivismus begegnet einem sonst nur noch bei ema.li
http://www.forum-ds.de/topic/1.willkommen.html