Börsengang verschoben

Manchmal verhütet der Markt eben doch Schlimmeres, auch wenn die Linken es nicht glauben wollen: Das Berliner Wohnungsunternehmen GSW geht vorerst nicht an die Börse. Die für diesen Freitag geplante Ausgabe von etlichen Millionen neuen Aktien entfällt. Und Grund dafür ist nicht politischer Widerstand, sondern die berühmte Selbstregulierungskraft des Marktes. Ein neoliberales Dogma. Die GSW, vor Jahren aufgrund der riesigen Schuldenlast vom rot-roten Senat an Finanzinvestoren verkauft, wollte mit ihren zehntausenden Berliner Wohnungen an die Börse, um ordentlich Rendite zu machen. In langwierigen Verhandlungen hatten sich SPD und Linkspartei zur Zustimmung durchgerungen, weil ansonsten die Zerschlagung des Wohnungsbestandes gedroht hätte – mit der Konsequenz, dass der Senat keinen Einfluss mehr auf wichtige Entscheidungen über die Wohnungen hätte. Immerhin holte der Senat noch einen erklecklichen Obolus des Unternehmens für die Wohnungssanierung heraus und fand sich ansonsten mit der scheinbar unvermeidlichen Börsenzukunft ab. Und nun das: Votalität und Unsicherheit an den globalen Märkten hätten stark zugenommen, teilt das Unternehmen mit. Makroökonomische Entwicklungen, signifikante Verschlechterungen des Kapitalumfeldes – mit einem Wort: Die Renditeaussichten sind im Moment mies. Die GSW-Mieter werden erst einmal aufatmen. Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. (wh)

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