Psycho-Lindner
Als am Donnerstag der Bundestag über Merkels Regierungserklärung zum Afghanistan-Krieg diskutierte, ist FDP-Mann Martin Lindner wieder einmal ausgerastet. Linksfraktionschef Gregor Gysi kritisierte gerade den Kurs der Bundesregierung – nicht nur den Kriegseinsatz als solchen, sondern auch die mangelhafte Betreuung der Soldaten vor Ort und nach ihrer Rückkehr. In Afghanistan und in Deutschland würden für die Soldaten mehr Psychiater benötigt, sagte Gysi. Da rief Lindner dazwischen: „Sie brauchen auch einen.“ Das ist nicht nur ein billiger Scherz, es ist ganz offensichtlich Lindners Replik auf Gysis Haltung zum gesamten Thema. So deutlich hat man’s selten. Gysi kann man freilich auch nicht mit solchen Frechheiten aus der Fassung bringen. „Sie können mich ruhig als geistig gestört betrachten“, entgegnete er, „aber das sagt etwas über Ihr Niveau, nicht über mein Niveau.“ Womit er Recht hat. Denn Martin Lindner hat sich nicht erst im Bundestag, sondern schon vorher im Berliner Abgeordnetenhaus mit einer politischen Kaltschnäuzigkeit hervorgetan, die der seines Parteichefs Guido Westerwelle nicht nachsteht. Leute wie Lindner betreiben hemmungslose Klientelpolitik und werfen mit Unverschämtheiten um sich – in Westerwelles Schlepptau befindet sich eine ganze Riege solcher Polit-Yuppies, die den Ruf der FDP als Partei der Besserverdienenden ungeniert auf Hochglanz polieren. Darunter sogar gleich zwei Lindners – neben Martin Lindner noch Christian Lindner, zu dessen ersten Großtaten als FDP-Generalsekretär es gehörte, eine mögliche SPD-Grünen-Linke-Regierung in Nordrhein-Westfalen als “rot-grün-blutrotes Experiment“ zu bezeichnen. Bundestags-Präsident Lammert erteilte Martin Lindner übrigens eine Rüge und bezeichnete dessen Beleidigung „ausdrücklich als unparlamentarisch“. Die Frage ist, ob Lindner solch subtile Kritik überhaupt wahrnimmt. (wh)
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Ein Kommentar zu “Psycho-Lindner”