Mendl und Wendl

Die bayerische Landeslinke hat eine neue Doppelspitze: Eva Mendl
und Michael Wendl setzten sich am Samstagabend beim Sonderparteitag in Schweinfurt gegen Mitbewerber durch. In den Ergebniszahlen spiegelt sich noch der bisweilen sehr heftige Streit der vergangenen Wochen – dass die vor allem selbstbezogenen Debatten nun gleich eingestellt werden, ist allerdings nicht zu erwarten. Mendl und Wendl gelten als „Freunde“ des designierten Bundesvorsitzenden Klaus Ernst, um dessen Einfluss und Führungsstil in der bayerischen Linken sich ein Großteil des Streits gedreht hatte. Mendl arbeitet für die „Bayern AG“ der MdBs aus dem Freistaat, Wendl kommt aus dem Gewerkschaftslager. Vor dem Wahlgang hatten Bundespolitiker wie Linksfraktionschef Gregor Gysi zu gegenseitigem Respekt aufgerufen und angeregt, nicht nur das Trennende zu sehen. „ Ein Vorstand, der sich nur streitet, nutzt nichts“, sagte Gysi. „Wo sind eigentlich eure Gemeinsamkeiten? Versucht doch einmal, die in zehn Punkten festzulegen, bevor ihr merkt, was euch trennt.“

Beim ersten Tag des Sonderparteitags stellte der alte Landesvorstand zunächst aber noch einmal in deutlicher Form die Konflikte heraus: Beide scheidende Landessprecher – Franc Zega und Eva Bulling-Schröter – trugen eigene Rechenschaftsberichte vor, Zega kritisierte, der Landesvorstand habe sich in Streitereien verloren und politisch „fast keine Initiativen“ auf den Weg gebracht. Bulling-Schröter wie die Vorwürfe zurück und nahm Zega aufs Korn – nicht zuletzt wegen seiner offenen Angriffe auf Klaus Ernst, bei denen sich Bulling-Schröter fragte: „Wem dient diese Demontage?“ Das Duell setzten Anhänger der beiden Lager darauf in der Debatte fort, es wurden allerdings auch Stimmen der Basis laut, die sich von beiden Seiten schlecht vertreten fühlten. „Polemik gut – in Hetze noch besser – Leistung ungenügend“, stellte ein Linker dem Landesvorstand für dessen zweijährige Arbeit ein desolates Zeugnis aus.

Mendl und Wendl haben in ihren Kandidaturen betont, keiner Strömung innerhalb der Linken anzugehören. Eva Mendl, die 1955 in der DDR geboren wurde, dort aufwuchs und als Lehrerin, Wissenschaftlerin und Sozialpädagogin arbeitete, beschrieb ihr politisches Profil als „antikapitalistisch, basisdemokratisch“. Politische Erfahrung machte Mendl als Wahlbeamtin der PDS in Berlin, sie war unter anderem Dezernentin für Jugend, Bildung, Kultur. Seit 2006 lebt sie in Bayern, ist seit Herbst 2007 auch Mitglied im Landesvorstand der Linken und arbeitet seit Januar 2010 in der „Bayern-AG“ der Bundestagsabgeordneten Bulling-Schröter, Nicole Gohlke, Klaus Ernst und Harald Weinberg. Michael Wendl ist 59 Jahre alt und blickt auf eine linkssozialdemokratische Biografie zurück. Der ver.di-Gewerkschaftssekretär war 36 Jahre Mitglied der SPD, gehörte in den achtziger Jahren zur wirtschafts- und finanzpolitischen Kommission des Parteivorstandes und sieht sich rückblickend als „einer der wenigen linken Wirtschaftsexperten“ in der Partei. Seit 1980 arbeitete Wendl in den Sozialistischen Studiengruppen SOST mit, er ist Mit-Herausgeber der Zeitschrift Sozialismus. 2008 ging der Marxist zur Linken und wurde Sprecher des Kreisverbandes München. „Ich gehöre bewusst keiner der politischen Strömungen in der Partei an“, hat auch Wendl bei seiner Kandidatur für den bayerischen Landesvorsitz erklärt. Er „akzeptiere diese Strömungen aber als einen Ausdruck des innerparteilichen Pluralismus.“ Seine politischen Überlegungen konzentrierten sich vor allem darauf, „welche Maßnahmen in Richtung sozialer und ökonomischer Reformen bereits im Rahmen eines kapitalistischen Wirtschaftssystem eingeleitet und durchgesetzt werden können, um die Verteilungsverhältnisse nachhaltig zu verändern“. Wendl ist erklärter Keynes-Anhänger – allerdings einer, der sich auch der Defizite diese Theorierichtung bewusst ist.

Der Landesverband steht jetzt vor der schwierigen Aufgabe der Konsolidierung. Der für Außenstehende kaum noch zu durchschauende Konflikt, der vor allem als stark personalisierte und emotional aufgeladene Dauerkrise erschien und weniger aber als politisch nachvollziehbarer Streit zwischen gewerkschaftsnahen und basisdemokratischen Ansätzen, müsste dazu landes- und kommunalpolitischer Arbeit weichen. Die ist gerade in Bayern, wo es die Linke kulturell schwerer hat, ein Bein auf die CSU-geprägte Erde zu bekommen, zwar eher Graubrot als Sahnekuchen. Aber zugleich eine Chance – nicht nur mit Blick auf die Wahlen von 2013. Gerade im Freistaat bröckeln alte politische Bezugssysteme, die Linke könnte bei fortschrittlichen Milchbauern ebenso punkten wie bei den Belegschaften der Autokonzerne, sie könnte ihre Stellung in den prekären Milieus der Großstädte ebenso verbessern wie in den strukturschwachen Regionen, die es auch im „reichen“ Bayern gibt. (tos)

Was bisher geschah:
Neigung ins Anarchistische: Maurer und die Bayern-Linke – 30.1. (mehr)
Neues aus Bayern: Offene Brief von allen Seiten – 1.2. (mehr)
Neuanfang in Bayern: Linke will personellen Schnitt – 22.2. (mehr)
Erstaunlicher Vorgang: Zega und der Deutschlandfunk – 28.2. (mehr)
Unverzeihlicher Schaden: Ein Brief nach NRW – 13.3. (mehr)

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