Dehms Wunsch
Eine Geburtstagsfeier von Diether Dehm ist keine Geburtstagsfeier, sondern ein politisch-kulturelles Ereignis. Dehm wurde neulich 60, und damit gleich alle Geladenen am Dienstag Abend in der Berliner Kulturbrauerei wussten, was Sache ist, hing neben der Bühne ein Plakat: 45 Jahre für die Verstaatlichung der Deutschen Bank – 60 Jahre Diether Dehm. Es gab Musik, es gab politische Debatte, und weil Dehm seit Jahrzehnten auf etlichen Hochzeiten gleichzeitig tanzt, war die Gästeliste entsprechend breit gefächert: Politiker der Linken natürlich, aber auch von SPD und Grünen, Künstler, Journalisten. Andrea Ypsilanti und Rolf Hochhuth wurden begrüßt, Jürgen Trittin wurde gesehen. Die Schaupieler Peter Sodann und Hilmar Thate (letzterer im Auftrag des Regisseurs Manfred Wekwerth) sprachen Grußworte, auch der linke Journalist Eckart Spoo (Ossietzky) und der konservative Publizist Hugo Müller-Vogg (früher Mitherausgeber der FAZ, heute Bild-Kolumnist). Müller-Vogg, der Dehm schon seit Jahrzehnten aus Frankfurt am Main kennt, erklärte, Dehm sei in den Anfängen ihrer Bekanntschaft noch in der SPD gewesen, habe aber “damals schon dasselbe gesagt wie heute”. Auf Dehms erfolgreiche und einträgliche Arbeit im Musikbusiness anspielend, zollte Müller-Vogg dem linken Geschäftsmann Respekt, gab aber auch zu bedenken, ob der das Geschäftsmodell “Tausend Mal berührt, hunderttausend Mal abkassiert” in einem anderen System “noch einmal so bekommen werde”. Der Liedermacher Manfred Maurenbrecher spielte, die junge, von Dehm geförderte Band Emma; auch Leute aus der DDR-Jugendpolitik waren da, mit denen der Musikmanager Dehm einst zu tun hatte – Hartmut König etwa und Klaus Eichler. Getalkt wurde auch, über soziale Gerechtigkeit und selbstredend über die Deutsche Bank; von Dehm moderiert, saßen Gregor Gysi und der eigens aus Saarbrücken angereiste Oskar Lafontaine auf der Bühne, dazu der SPD-Linke Ottmar Schreiner und der CSU-Exot Peter Gauweiler. Dehm gab aus seiner unerschöpflichen Zitatekiste noch zum Besten, warum die Franzosen so viel freier und frecher sind als die Deutschen: weil, antwortete einst Ernts Bloch auf eine entsprechende Frage, sie den Kopf eines Königs rollen sahen. Und der König heute in Deutschland – nun wieder Kommentar Dehm – ist die Deutsche Bank. Wer sonst? Der Mann hat noch viel vor. Gerade bereitet er mit namhaften Gleichgesinnten den Start des Internetsenders www.weltnetz.tv vor (Sendebeginn laut Dehm noch diese Woche). Ein Portal der Gegeninformation. Man darf sicher sein, dass es auch dort um die Deutsche Bank geht. Wenn Dehm einen Wunsch zu seinem 60. hat, dann den: “Ich möchte es noch erleben, dass die Deutsche Bank verstaatlicht wird.” (wh)
Groß-Koalition der Party-Willigen: Müller-Vogg über Dehms Geburtstag (hier)
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