Was wäre wenn
Das alles ist „natürlich rein fiktional“, doch die Botschaft soll gehört werden: Wer will schon, „was in Deutschland passieren könnte, wenn die bürgerlichen Parteien zunehmend ihre Anziehungskraft verlieren“? Der Sat.1-Zweiteiler Die Grenze verspricht Ausmalung in bunten Bildern von Terroranschlägen, Rezession, Nazis, einer Partei „Neue Linke“, Bürgerkrieg, der Gründung einer „kleinen DDR“, NVA-Uniformen. „Was wäre, wenn das Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich in Deutschland zu sozialen Unruhen führt?“, fragen die Produzenten dieser Mischung aus „Event“-Fernsehen und TV-Staatsbürgerkunde. Und können sich einen anderen Ausgang nicht vorstellen. Im Vorfeld der Ausstrahlung jedenfalls ist nur hiervon die Rede: schlimmen Nazis und hässlichen Linken, Ostalgie und Mauerwunsch, Totalitarismus-Schema und Extremisten-Pauschale.
Der Regisseur lobt das „polarisierende Drehbuch“, und bewirbt die „Umsetzung dieses ambitionierten und radikalen Stoffes“ mit Facebook-Schnickschnack und Sonderseite. Inzwischen gibt es Streit in Mecklenburg-Vorpommern, wo der Film spielt: Mit 160.000 Euro hat das CDU-geführte Wirtschaftsministerium das Projekt eines Privatsenders in Investorenhand gefördert, immerhin ein Zehntel des gesamten Budgets von vier Jahren. Die SPD fürchtet einen Imageschaden für das Land und beklagt, dass „die Botschaften dieses Films eher abschreckend wirken“. Der Linkspartei im Nordosten stößt die Sache wegen der Ähnlichkeiten zur Kampfgruppen-Neuen-Linken aus dem Film „sauer auf“. Man interessiere sich sehr dafür, wird Peter Ritter zitiert, ob Wirtschaftsminister und Vergabegremium vor der Geldvergabe „von der Zielrichtung des Films unterrichtet waren“. Nachträglich dagegen sind sie jedenfalls nicht, ein Sprecher des CDU-geführten Ressorts sagte, es sei ja „vor allem auch um die wirtschaftlichen Effekte“ gegangen. Die in den vergangenen Jahren bekanntermaßen wozu geführt haben? Genau: zum „Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich“.
Apropos “natürlich rein fiktional”: Im Interview mit der Berliner Zeitung erklärt Produzent Nico Hoffmann, wie man den Film, an dem vor der Wirtschaftskrise begonnen wurde zu arbeiten, immer wieder umbaute, um “das Ganze näher an die sich überstürzende Wirklichkeit heranführen” zu können. Man habe sogar Fachleute herangezogen, “Verfassungsrechtler und Verfassungsschutzexperten” nämlich. Seither hält es Hofmann offenbar für “durchaus realistisch”, dass “ein Biederer von den Linken” ein sozialistisches, “am Tropf der Bundesrepublik” hängendes Mecklenburg-Vorpommern ausruft. Völker, hört die pädagogischen Signale! (tos)
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Ein Kommentar zu “Was wäre wenn”