Verlängerter Arm
Kleine Premiere bei der Münchner Sicherheitskonferenz – früher treffender Wehrkundetagung genannt – die heute beginnt: Erstmals nimmt an dem Gipfel von Politikern, Wirtschaftsbossen und Militärs ein Vertreter der Linkspartei teil. Der langjährige Konferenzchef, der einstige Kohl-Berater Horst Teltschik, hatte Kritiker der Veranstaltung stur abgeblockt – kein Kontakt, kein Gespräch. Sein Nachfolger, der Diplomat Wolfgang Ischinger, ist da konzilianter: Er redet mit Kritikern, und er hat nun auch die Linke eingeladen. Zuerst Fraktionschef Gregor Gysi, der aber absagte; an seiner Stelle hat nun Wolfgang Gehrcke, einer der Experten für Außenpolitik in der linken Bundestagsfraktion, Zutritt zum Nobelhotel Bayerischer Hof. Die Sache ist in der Friedensbewegung nicht unumstritten.
Im Netz findet man keine Kritik an Gehrckes Teilnahme, aber persönlich wurde ihm schon mitgeteilt, dass nicht alle Friedensaktivisten begeistert sind. Vermutlich liegt die Kritik auf einer ähnlichen Ebene wie die an der “Projektgruppe Münchner Sicherheitskonferenz verändern”. Die hatte sich mit Ischinger zum Gespräch getroffen. Solche Kontakte sind für andere Friedensaktivisten falsch; Ischinger benutze diese unter dem Motto einer neuen Offenheit als Feigenblatt für seine Konferenz. In dieser Rolle sieht sich Wolfgang Gehrcke nicht. Vielmehr betrachtet er sich, wie er dem Neuen Deutschland in einem Interview sagte, als “verlängerter Arm” der Friedensbewegung, die wie immer vor dem Tagungsort demonstrieren wird. Gehrcke will sich um Redezeit auf der Konferenz bemühen, will alternative Positionen darstellen, will die Proteste verteidigen und “Sand ins Getriebe” der Konferenz streuen. Ob und wie das gelingt, wird man sehen. Jedenfalls hofft er, dass sich seine Teilnahme drinnen und die Proteste draußen ergänzen. (wh)
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