Thüringer Weg

Irgendwie kommt einem das bekannt vor: Ein SPD-Spitzenkandidat
erklärt lange vor einer Landtagswahl, er wolle die CDU-Regierung ablösen. Er tut dies aus einer schwachen Position heraus, denn vor seiner eigenen Partei liegt auch noch die Linke. Dann teilt er mit, Rot-Rot sei denkbar, aber um keinen Preis mit einem Regierungschef von der Linkspartei. Und schließlich will er den Wahlkampf zuspitzen: »auf zwei Parteien und zwei Personen«. SPD und CDU. Als ob es die Linke auf Augenhöhe nicht gäbe. Von wem hier die Rede ist?

Von Jens Bullerjahn, dem Magdeburger SPD-Fraktionschef, der erster Anwärter auf den Sieg im Christoph-Matschie-Ähnlichkeitswettbewerb ist. Ein gutes Jahr vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt macht Bullerjahn alles genau so, wie es in Thüringen sein Amtsbruder Matschie vorgemacht hat. Der ostdeutsche SPD-Politiker Wolfgang Thierse hat gerade erst in eine Interview die Lernfähigkeit seiner SPD gelobt; Bullerjahn kann er damit nicht gemeint haben. Denn der wird den Thüringer Weg wohl nicht wegen dessen großen Erfolgs nachempfinden: Matschie landete bekanntlich im letzten Spätsommer mit seiner Partei klar abgeschlagen auf Platz drei, und er ist nun nicht Regierungschef, sondern Stellvertreter bei der CDU, die er eigentlich ablösen wollte. Offenbar kann sich auch Bullerjahn, der allgemein als kluger, vorausdenkender Mensch anerkannt ist, nicht aus den Fesseln der eingeübten Parteitaktik lösen.

Jetzt hat er auch ein Thesenpapier für Gerechtigkeit und Solidarität vorgelegt – “Mein Kompass für ein attraktives Sachsen-Anhalt”. 100 Prozent Bullerjahn, sagt Bullerjahn. Damit will er die Landes-SPD aus dem Tal des miesen Bundestagswahl-Ergebnisses holen. Wenn er das ernst meine, könne er ein Partner für die Linke sein, sagt deren Fraktionschef Wulf Gallert, merkt aber auch an, dass Bullerjahn als aktueller Finanzminister der Großen Koalition Roststiftpolitik in Reinkultur betreibe. Und Wirtschaftsminister Reiner Haseloff, der CDU-Spitzenkandidat, teilt mit, dass er mit Bullerjahn, der ihn hart atttackieren will, gut zusammenarbeite. Eine Sympathiebekundung, die der SPD-Mann in nächster Zeit gar nicht gebrauchen kann. (wh)

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