Gespräch übers Bloggen

Gespräch übers Bloggen

Die Kollegen von Analyse & Kritik (Nr. 547 vom 19. Februar) wollten
von uns wissen, warum wir dieses Blog überhaupt machen. Gute Frage. Informationen und Kommentare zur Linkspartei bringen weder Geld noch Ruhm, sie verursachen höchstens Arbeit. Die uns Spaß macht, auch wenn lautes Rufen am Schreibtisch für hochgezogene Augenbrauen bei unseren MitbewohnerInnen sorgt:  “Diese Linkspartei, das kann doch nicht wahr sein!” Wir regen uns aber gern auch über anderes auf. Übrigens wird eine zuletzt immer wieder gestellte Frage in dem Interview beantwortet: Der Name lafontaines-linke.de bleibt.

Wolfgang Hübner und Du haben 2007 das Buch “Lafontaines Linke – Ein Rettungsboot für den Sozialismus?” veröffentlicht. Die FAZ lobte es als “das beste Buch” über die neue Partei. Die Geschichte der Linkspartei wollt Ihr in Eurem blog weitererzählen – so steht es zumindest dort. Warum habt Ihr die Form des blogs gewählt?
Weil es uns technisch sinnvoll erschien als wir damit begannen. Das war schon eine ganze Zeit vor der Drucklegung des Buches, wir haben Teile davon gewissermaßen „im Internet“ geschrieben. Auch in der Hoffnung, mit einem öffentlichen Arbeitsverfahren neue Anregungen zu bekommen und uns von Irrtümern abbringen zu lassen. Als das Buch fertig war, wollten wir, dass es gelesen wird – also kann man es im Netz herunterladen. Und schließlich haben uns die Grenzen des Printjournalismus ins Netz getrieben: Es gab immer noch eine Anekdote, ein Zitat von einem Nicht-Promi, eine regionale Wendung, die es verdient hatten, der großen medialen Vereinheitlichungsmaschine entrissen zu werden.

Was ist Euer vorrangiges Interesse? Gegeninformation? Kommentierung?
Wir sind kein Watchblog. Man kommt als Linker ohne Parteibuch aber auch nicht an dieser Organisation vorbei. Das Problem ist, dass „Die Linke“ in den Medien oft anders erscheint, als sie wirklich ist. Auf der Grundlage lässt sich schlecht über die Partei reden. Wir behaupten auch nicht, „die Wahrheit“ über den Laden zu kennen. Aber wir versuchen es. Insofern kann man wohl am ehesten von einer Mischung aus persönlichem Kommentierung und nachrichtlicher Begleitung sprechen. Und schließlich geht es uns darum, die Debatten zusammenzubringen, die in und um die Partei herum sonst oft völlig losgelöst voneinander ablaufen.

Ist Euer blog Bezugspunkt für die Debatte innerhalb und über die Linkspartei?
Das wäre schön – aber ob lafontaines-linke.de nun eher ein Diskurshai ist oder doch nur ein kleiner Fisch, das müssen andere beurteilen. Was wir ohne Angeberei sagen können: Es gibt nicht viele Orte im Internet wo man so umfangreich über diese Partei auf dem Laufenden gehalten wird.

Warum die Zuspitzung auf Lafontaine?
Als im Winter eine gruselige Debatte um den Bundesgeschäftsführer der Linkspartei lief und wir das teils denunziatorische Spiel kritisierten, empörte sich ein Leser, wir sollten das Blog doch gleich „Bartschs Linke“ nennen. Dem lag offenbar das Missverständnis zugrunde, wir hätten den Titel gewählt, weil wir Oskar-Groupies wären. So ein Quatsch. Die Über-Personalisierung haben nicht wir erfunden, sondern sie ist mit allen ihren großen Problemen ein Kern der Gründungsgeschichte der Linken. Lafontaine hat dieser Partei entscheidend seinen Stempel aufgedrückt. Das wird jetzt noch einmal sehr deutlich, wo er seinen Rückzug angekündigt hat.

Müsst Ihr Euer blog jetzt nicht umbenennen?
Man könnte vielleicht ein Schild dranhängen: „Jetzt in neuer Besetzung.“ Aber der Titel bleibt.

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2 Kommentare zu “Gespräch übers Bloggen”

  1. Mathis Oberhof, Schildow b.Berlin sagt:

    lafontaines linke – jetzt in neuer besetzung, das ist wirklich gut! darüber wird in fünf jahren noch mal zu reden sein.

  2. Brunopolik sagt:

    Bloggen und Twittern wird immer stärker ein wichtiger Zugang zu Informationen, die uns der Mainstream-Journalismus manipulierend vorenthält. Vor allem eine junge Generation wird hier erreicht. Eure Aktivitäten sind deswegen super!

    Die gestrige Aktion im deutschen Bundestag war Klasse. So werden schreiende Themen wirkungsvoll öffentlich und Parlamentarier wieder glaubwürdig.

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