Neues aus Bayern

Nachtrag 3. Februar Nun hat sich auch Klaus Ernst noch einmal zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert, die in Bayerns Linkspartei erhoben werden. Dass er nicht integrativ sei, wies der Gewerkschafter  im Bayerischen Rundfunk mit dem Hinweis auf die Fusion von WASG und PDS zurück, die man sonst „nicht hingekriegt“ hätte. Schließlich sei er, Ernst, maßgeblich am Zusammenschluss beteiligt gewesen. Auch einen politischen Kurswechsel der Linken unter seinem Ko-Vorsitz müsse niemand fürchten: „Die Besorgnis, die meine Kritiker haben, dass die Politik sich mit mir nach rechts bewegen könnte, die ist wirklich unbegründet.“

Nachtrag 2. Februar Inzwischen macht ein Offener Brief der Vorsitzenden von 14 bayerischen Kreisverbänden die Runde, die sich hinter Ernst stellen und Zega das Misstrauen aussprechen. Der sei, heißt es in dem Schreiben, mit dem Sprecheramt “vollkommen überfordert”. Es dränge sich, so die Unterzeichner, “der Eindruck auf, dass die von Dir geäußerten haltlosen persönlichen Angriffe nur von Deinem eigenen Versagen ablenken sollen”. Zega solle “jetzt den Stuhl des Landessprechers” räumen, schließt der Brief.

Der Streit im bayerischen Landesverband der Linken geht weiter: Nachdem sich Vorstandssprecher Franc Zega in einem Offenen Brief ausdrücklich gegen die Kandidatur von Klaus Ernst als Parteichef gewandt hat, will die Ko-Vorsitzende im Freistaat, Eva Bulling-Schröter, nun nicht mehr für den Posten in Bayern kandidieren. „Wir brauchen einen Neuanfang“, wird die langjährige Landeschefin zitiert. Sie erwarte, dass ein außerordentlicher Landesparteitag der bayerischen Linken einberufen werde. Die Kritik Zegas an Ernst wollte sie nicht teilen. Dieser würde zwar polarisieren, das vergangene Woche in einem nächtlichen Kompromiss aufgestellte Personaltableau sei dennoch „tragfähig“. Zega hatte sich beklagt, nicht zu der Runde der Landesvorsitzenden eingeladen worden zu sein. Dies, so Bulling-Schröter, sei jedoch keine böse Absicht gewesen, sondern auf die falsche Schreibweise seines Vornamens beim Mailversand der Einladungen zurückzuführen. Probleme mit der Schreibweise Zegas hat auch jene Nachrichtenagentur, die von den neuesten Entwicklungen berichtet, den Vorstandssprecher jedoch durchgehend als Franc Zegna bezeichnet. Der hatte, in korrekter Schreibweise, in seinem Offenen Brief kritisiert, dass Bulling-Schröter in dem Streit „ausgerechnet“ jenen Journalisten der Süddeutschen „einspannt“, den sie zuvor als „Feind der Partei“ bezeichnet habe. Der Kollege hat nun freilich auch über den Offenen Brief berichtet. Zu guter letzt sei erwähnt, dass Gesine Lötzsch, die neben Ernst die Linke ab Mai führen soll, diesen als “bayerische Frohnatur” lobte – und erklärt hat: “Wir werden, denke ich, gut miteinander auskommen.” (tos)

Drucken Drucken

5 Kommentare zu “Neues aus Bayern”

  1. Kowalski sagt:

    14 von insgesamt 44 Kreisverbänden. Also eine erdrückende Mehrheit gegen Zega.

    Und das es sich um ein Versehen beim Mailversand wegen falscher Namensschreibung handelt soll wer glauben? Vorher hat es ja auch geklappt.
    Eva Bulling-Schröter die den Landessprecherin Posten einzig und allein zur Sicherung ihrer Abgeordneten Diäten inne hat will dankenswerter Weise nicht zur Wiederwahl antreten? Wer soll das glauben? Denn tritt sie tatsächlich nicht mehr an, dann ist auch ihr guter Listenplatz weg und dies wäre ihre letzte Legislaturperiode im Deutschen BT.

    Nichtsdestotrotz wird Zega den Posten des Landessprechers räumen. Harald Weinberger brennt ja darauf Franc Zegas Posten zu übernehmen. Aber so einfach wie Weinberg es sich vorstellt wird es mit Sicherheit nicht werden. Ein Gegenkandidat steht schon bereit und wenn ich die Lage richtig einschätze, wird es zur Kampfabstimmung kommen.

  2. Sperber sagt:

    Das von der Zega-Fraktion in den letzten Monaten massiv Kleinstkreisverbände wie Dachau (17Mtlg, Fürstenfeldbruck, Regen ( 13Mtgl), Starnberg usw gegründet/übernommen wurden, um auf den Landesparteitagen durch die jeweiligen Grundmandate dieser KV´s, entsprechende Mehrheiten zu generieren, übersiehst du gerne, Kowalski.
    Die Lavomehrheit unter Zega hatte die letzten 15 Monate Zeit, Ihr Sicht linker Politik in Bayern umzusetzen. Bis auf div. Versuche, den Landesgeschäftsführer zu entlassen kam politisch genau NULL von der Mehrheitsfraktion. Respekt.

  3. tos sagt:

    @Kowalski und Sperber: ich verfolge eure diskussion mit interesse, kann mir aber nur begrenzt einen reim darauf machen. was ist das politisch trennende in diesem konflikt? ist klaus ernst bloß die folie für eine auseinandersetzung, die eigentlich andere gründe hat? welche sind das? haben die flügel unterschiedliche strategische und politische konzepte? bisher ist viel über organisationsversagen (autoritarismus von ernst, unfähigkeit von zega) geredet worden, aber wenig über politik. vielleicht können wir das gemeinsam aufhellen. grüße tos

Kommentiere:

| Kommentare werden moderiert |