Im falschen Film

Die anarchosyndikalistische Freie Arbeiter-Union startet am Sonntag
eine Aktionswoche, die auch die Berliner Linkspartei betrifft: Der Streit um das Kino Babylon, die Selbstorganisierung von Beschäftigten in einem öffentlich subventionierten Unternehmen, der Streit mit der großen Gewerkschaft Ver.di, eine Verbotsverfügung, eine Drohung mit horrendem Ordnungsgeld – das alles sollte in einer linken Regierungspartei (selbst-)kritische Fragen aufwerfen. Es geht hier nicht darum, die FAU über den grünen Klee zu loben, auch nicht, die Schwierigkeiten dieses Tarifkonflikts zu übersehen und schon gar nicht, der Berliner Linken nur deshalb mit Skepsis zu begegnen, weil sie sich in der Hauptstadt an der Regierung beteiligt. Es gibt ein großes Aber: Es sind nun linke Aktivisten mit einer Strafe bedroht, die Existenzen zerstören kann. Politisch gibt es keinen Grund, dieses Spiel mitzumachen. Hier muss die Linkspartei deutlich Solidarität zeigen, selbst wenn ihr das Vorgehen der FAU in der Sache oder im Allgemeinen nicht passt. Zudem wartet die Frage auf Antwort, warum die Linkspartei einerseits behauptet, nicht in den „Bezahlungskonflikt“ (was für ein Wort) eingegriffen zu haben, dies aber in einem Flugblatt anders klingt. Und schließlich: Gerade die Linkspartei in Berlin sollte etwas zurückhaltender sein mit Vorwürfen gegenüber engagierten Linken, diese würden lediglich eine „Imagekampagne“ betreiben, und das auch noch „auf Kosten einer wertvollen Kultureinrichtung dieser Stadt“. Wertvoll ist in diesem Zusammenhang ein beziehungsreiches Wort, dass bei den im Kino arbeitenden Menschen vielleicht andere Assoziationen weckt, als in warmen Verwaltungsstuben oder gut ausgestatteten Parteibüros. Redet miteinander! Jetzt! (vk)

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