Was gilt?
Bernd Riexinger hat der jungen Welt ein Interview gegeben. Darin antwortet der Landessprecher der baden-württembergischen Linkspartei auf die Frage nach den in den Medien durchgekauten Gerüchten über ein Verhältnis zwischen Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht: „Ich behaupte nicht, dass Herr Bartsch das in die Welt gesetzt hat.“ Ihm, Riexinger, gehe es um Bartschs Äußerung, Lafontaines Rückzug vom Fraktionsvorsitz im Bundestag habe nichts mit seiner Krankheit zu tun – damit sei die Gerüchteküche „überhaupt erst angeheizt“ worden. Ach ja? Inzwischen ist Riexingers Brief an Gregor Gysi bekannt: Er bittet darin darum, Bartsch dazu zu bewegen, eine Aufgabe außerhalb des Karl-Liebknecht-Hauses zu übernehmen. In dem Schreiben – es ist auf den 14. Dezember datiert; der Autor könnte nach rund drei Wochen noch wissen, was er hinein geschrieben hat – heißt es, Bartsch habe eine Kampagne des Spiegel gegen Lafontaine unterstützt.
Wörtlich: „Überhaupt nicht hinnehmbar ist es aber, dass dabei auch jeglicher Anstand gegenüber dem Menschen Oskar Lafontaine auf der Strecke blieb. Wer mutwillig Gerüchte über das Privatleben Oskar Lafontaines verbreitet, scheint auch jenseits aller politischen Differenzen charakterlich mit einer Führungsaufgabe überfordert.“ Soweit die Zitate. Was gilt nun? Hat Bartsch nach Riexingers Ansicht/Vermutung/Kenntnis (auch das bleibt offen) Lafontaine denunziert (wie im Brief behauptet) oder nicht (wie im Interview dargestellt)? Beides gleichzeitig kann nicht richtig sein. Und wie ist es um den Anstand und die charakterliche Eignung eines Menschen bestellt, der heute in einem Brief, von dem er ausgeht, dass er intern bleibt, so schreibt und morgen öffentlich so spricht? Man wird ja mal fragen dürfen. (wh)
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