Verkürzungen

Bodo Ramelow hat dem ZDF ein Interview gegeben. Der Sender schnitt anderthalb Sätze heraus und montierte diese in ein Stück über Oskar Lafontaines Auftritt beim Neujahrsempfang in Saarbrücken. Von Ramelows Lob an der Rede des Noch-Vorsitzenden blieb ebenso wenig übrig wie von seiner Selbstkritik, mitverantwortlich für die Verzögerung der Programmdebatte zu sein. In dem Beitrag konnte man den Eindruck gewinnen, der Thüringer Fraktionsvorsitzende beschwere sich über das Ausbleiben einer Diskussion, die Lafontaine „wenig kümmere“. Ramelow tat daraufhin, was sonst nur wenige tun: Er beschwerte sich. Erst per Telefon bei der verantwortlichen Redakteurin, dann per Brief beim ZDF-Fernsehrat. Der Gedanke dahinter – „sinnentstellende Verkürzungen“, motiviert durch eine „verzweifelte“ Suche nach Kritik an Lafontaine aus den eigenen Reihen, „das Andichten von Auseinandersetzungen, wo überhaupt keine sind“, findet Ramelow unerträglich und sieht darin eine Entwicklung, die „öffentlich diskutiert werden sollte“. Zumal beim ZDF, da hat man noch die peinliche Kommentierung eines Sommerinterviews mit Lafontaine durch Peter Frey in Erinnerung (mehr dazu hier). Die Junge Welt hat den Brief Ramelows an den Fernsehrat aufgegriffen – dann allerdings nach Meinung des Wahl-Thüringers nichts anderes getan, als diesen ebenfalls „in einen seltsamen Kontext“ gestellt. Ramelow wundert sich nun, dass das Blatt glaubt, „das so darstellen zu müssen“. Bekommen wir eine Antwort? (tos)

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2 Kommentare zu “Verkürzungen”

  1. Totale Therapie sagt:

    Alter Hut,

    für mich als regelmäßigen Ossietzky- und
    nachdenkseiten.de-Leser ist das
    kaum eine Neuigkeit.

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