Zu viel der Ehre

Oskar Lafontaine hat sich erstmal seit seinem Rückzug zu Wort
gemeldet, und zwar „exklusiv“ im Stern. Wer den „Machtkampf“ in der Linken verfolgt und gelesen hat, wo die vermeintlichen Gegner des Noch-Vorsitzenden am heftigsten ihr Fett wegbekamen, wird sich darüber nicht wundern. Lafontaine redet mit dem Magazin über sehr persönliche Dinge, seine Krankheit, auch den Tod. Zur Situation der Linkspartei gefragt, verweist der Saarländer auf frühere Unkenrufe bei anderen Parteien – doch weder die SPD nach Brandt noch die Grünen nach Fischer seien auseinander gebrochen. Die Linke habe eine Zukunft, wenn sie die Strategie verfolgt, „die ihr bisher zum Erfolg verholfen hat“. Damit da keine Missverständnisse aufkommen, gibt der Stern in der Vorabmeldung eine Lesehilfe: „Das darf getrost als Warnung an die Reformer im Osten verstanden werden.“ Soso. Den Ehrenvorsitz, den mancher in der Partei dem Saarländer bereits angetragen hatte, lehnt Lafontaine übrigens ab: „Das wäre zu viel der Ehre für mich.“ Koketterie? Demut? Vielleicht hat er dabei aber auch an die “Würdenträger” in CSU und FDP gedacht, den einzigen Parteien, die zurzeit Ehrenvorsitzende haben. Wer will schon mit denen in einer Reihe stehen? Anders sicher bei Hans Modrow, der diesen Titel bis zur Fusion der PDS mit der WASG trug, dann fiel das Amt weg. Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass beim Parteitag im Mai eine Initiative zur Wiedereinführung gestartet wird – für Lafontaine. (vk)

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