Lafontaine meldet sich

Oskar Lafontaine hat beim Neujahrsempfang in Saarbrücken sein
langes Schweigen beendet. Was der Linken-Chef da vor rund 500 Gästen gesagt hat, verdient mehr Beachtung als von jener Art, die sich auf die Frage nach seiner Rückkehr beschränkt. Die ließ er ohnehin offen. „Niemand ist unersetzlich“, so der Saarländer, „unersetzlich sind nur eine Politik und eine Strategie der Linken, die von immer mehr Wählerinnen und Wählern akzeptiert werden.“ Wohin soll die Reise gehen? Lafontaine hat in wichtigen Punkten noch einmal seine Position unterstrichen:
Ja zur Regierungsbeteiligung, aber nur „wenn wir im Sinne unserer Programmatik die Politik verändern“. Den Koalitionsvertrag in Brandenburg hätte der Linken-Chef nicht unterschrieben, den Genossen aus der PDS schreibt er in Stammbuch, sie hätten „leider mit Regierungsbeteiligungen nicht die besten Erfahrungen gemacht“. Skepsis ist auch beim Stichwort „Grundsatzprogramm“ herauszuhören, die Eckpunkte seien „eine hervorragende Grundlage unserer politischen Arbeit“ und bräuchten den Vergleich nicht zu scheuen. Ohnehin würden sich Grundsatzprogramme der Parteien „in der Formulierung allgemeiner Ziele ähneln“, weshalb man Punkte herausarbeiten müsse, welche die Linke von anderen unterscheiden – das Wort „Markenkern“ taucht im Redemanuskript gleich vier Mal auf. Zu diesem zählt Lafontaine elf Punkte, die einige Essentials der Partei wiederholen, teils aber auch sehr von der Aktualität geprägt sind. Gleich in drei Punkten geht es um die Unabhängigkeit von Politikern von Unternehmensgeldern, Spenden und dergleichen. Die Affäre Finck lässt grüßen.
Lafontaine hat am Dienstagabend seine Partei dazu aufgerufen, sich auf den Einzug der Linken in Nordrhein-Westfalen zu konzentrieren. Über die richtige Strategie würden nicht die Strömungen entscheiden und auch nicht die Kommentatoren in den Medien, sondern die Wähler. Die „Personalquerelen“ nennt Lafontaine „überflüssig“, „das Notwendige“ dazu hätten Gregor Gysi und Klaus Ernst gesagt. „Da nicht alle Akteure einander in tiefer Sympathie und Zuneigung verbunden sind, muss man sich wie im Alltag an Regeln halten, die ein solidarisches Miteinander ermöglichen“, sagt Lafontaine. Eine Nachrichtenagentur vermerkte dazu, es habe an dieser Stelle “lauten Jubel seiner Anhänger” gegeben. Ein Wort zu Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch fand der Linken-Chef nicht. Schweigen kann auch eine sehr deutliche Äußerung sein. (tos)
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Nun tritt er ja leider doch zurück, was mich sehr traurig macht. Jedoch geht die Gesundheit vor. Als neuen Parteivorsitz könnte ich mir Gregor Gysi vorstellen, dem viele Sympathien gehören. Die SPD und die Linke könnten sich nun auch annähern, da sonst Lafontaine dies immer zu verhindern wusste.