Klose predigt

Eigentlich hat Margot Käßmann nichts Besonderes getan. Die Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende hat der in Deutschland weit verbreiteten Skepsis gegenüber dem Afghanistan-Krieg und dem Bundeswehreinsatz Ausdruck verliehen und in einer Neujahrspredigt festgestellt: „Nichts ist gut in Afghanistan. Waffen schufen offensichtlich keinen Frieden im Land. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen.“ Ziviles Engagement müsse deutlich mehr Gewicht haben als militärisches, deshalb dürfe das Bundeswehrkontingent nicht noch vergrößert werden. Zuvor hatte sie in einem Interview gesagt: „Das ist Krieg, und unsere Soldaten töten auch Zivilisten.“ Es müsse nun um einen möglichst schnellen, geordneten Abzug gehen. Das hat zu einer mittleren Welle der Empörung geführt. Ruprecht Polenz (CDU) warf ihr „schlichten Pazifismus“ vor, der Chef des Bundeswehrverbands meint, Käßmann frustriere die Soldaten. Den Vogel aber schoss Hans-Ulrich Klose ab, Militär- und Außenpolitikexperte der SPD.

Klose, der in den letzten Jahrzehnten noch für so ziemlich jedes Rüstungs- und Militärprojekt zu haben war, warf der Bischöfin vor, Positionen der Linkspartei zu vertreten. Was für ein Argument! Und wenn? Ist das verboten? Muss die Theologin jetzt zurücktreten, weil sie eine andere Meinung hat als ihr Amtsvorgänger Huber und sich zum Thema Afghanistan mit einer Haltung geäußert hat – anders als Merkel und Köhler in ihren belanglosen Jahresendansprachen? Kloses Argument Nr. 2: Käßmann stelle sich gegen die Mehrheit des Bundestages. Das ist ein sehr schönes Beispiel für die Verselbstständigung der Politik. Laut diversen Umfragen nämlich steht Käßmann auf der Seite der Bevölkerungsmehrheit. Das interessiert Klose aber offenbar nicht; ihm geht es nur um die Stimmung im Treibhaus Bundestag. Besser kann man einen wesentlichen Grund für den Absturz der SPD nicht illustrieren. (wh)

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Ein Kommentar zu “Klose predigt”

  1. My 0,02 Euro sagt:

    Sehr schön kommentiert. Danke!

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