Nicht das letzte Wort
Warum stimmt man einem Kompromiss zu? Weil es an eigener Stärke fehlt, sich mit seiner Position durchzusetzen. Oder weil es ein übergeordnetes Interesse gibt, das schwerer wiegt als das eigene – zum Beispiel, „personelles Chaos“ zu verhindern. Diesen Grund hat der sachsen-anhaltische Landesvorsitzende Matthias Höhn gegenüber der Süddeutschen genannt. Der Osten habe in der berühmten Nachtsitzung, als der Personalvorschlag für eine neue Linkenspitze ausgehandelt wurde, vor der Frage gestanden: „diesem Paket zustimmen oder alles platzenlassen“. Das wollten die ostdeutschen Landeschefs nicht, man konnte es ihnen als Loyalität gegenüber der Partei auslegen. Jetzt heißt es: „Ein Vorschlag ist natürlich nie das letzte Wort“ (Höhn). Ist das ein Aufruf, den Satzungsänderungen und bestimmten Kandidaten nicht zuzustimmen? Wie würde der Gegenvorschlag aussehen? Hätte auch dieser das Zeug zu einem allseits akzeptierten Kompromiss, der ja unter den gegenwärtigen Bedingungen unausweichlich scheint? Es gibt gute Gründe, die Nominierungliste zu kritisieren und vor einer Institutionalisierung des Nebeneinander zu warnen. Bleibt die Frage: Ist das übergeordnete Interesse, das Montagnacht eine „Zustimmung um des Ergebnisses willen“ herbeiführte, nun nicht mehr so drängend? (tos)
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