Mehrdeutige Botschaften

Nach dem Auftritt von Oskar Lafontaine in Saarbrücken am Montag
wird umso eifriger über die politische Zukunft des Linken-Chefs spekuliert. Lafontaine selbst hat sich offenbar entschieden, lässt die Partei aber noch warten. Und so werden die Signale ganz unterschiedlich interpretiert: Im Neuen Deutschland kommt ein optimistischer Linker zu Wort: „Er hat es doch durchsickern lassen, diplomatischer kann man es kaum machen“, für ihn stehe fest, dass Lafontaine auf bundespolitische Bühne zurückkehrt. Auch die Frankfurter Allgemeine will eine „eindeutige Botschaft“ empfangen haben. Viele im Burbacher Saal seien sich nach dessen Rede sicher, dass der Linken-Chef im Mai in Rostock noch einmal für den Vorsitz kandidiert. Wer am Mittwoch Gregor Gysi bei N24 zugehört hat, dürfte skeptischer sein.
Der Vorsitzende der Linksfraktion erklärte, dass Lafontaine bereits seine Entscheidung getroffen habe – „aber ich verrate sie ihnen nicht“. Gysis Hinweise auf die Gesundheit, die wichtiger sei, auf die Fähigkeit Lafontaines, „wie kein anderer“ auch vom Saarland aus erfolgreich Bundespolitik machen, lassen sich eher als landespolitische Signale verstehen. Lafontaine werde „sich in Kürze erklären und dann müssen wir mit seiner Entscheidung umgehen“. Und das wäre in diesem Fall gar nicht so einfach: Lothar Bisky wird nicht noch einmal als Linken-Chef kandidieren, ein/e neue/r Bundesgeschäftsführer/in muss gefunden werden, Bodo Ramelow kandidiert nicht erneut. Alles Männer, die nicht nur die Außenwahrnehmung der Linken in der Vergangenheit dominiert haben. Ganz so schlimm, wie es ein ungenanntes Mitglied der Parteispitze der Frankfurter Rundschau gesagt haben will, ist es allerdings nicht: „Sollte Lafontaine nicht weitermachen, müssten wir innerhalb von zwei, drei Monaten eine komplette Parteiführung aus dem Boden stampfen.“ Der Vorstand besteht schließlich „aus insgesamt 44 vom Parteitag zu wählenden Mitgliedern“ – und nicht aus vier. (tos)
Nachtrag 21.01. Die Saarbrücker Zeitung berichtet vorab aus ihrer Freitagsausgabe, dass Lafontaine am Samstag an der Sitzung des Parteivorstandes teilnehmen und sich dort möglicherweise zu seiner weiteren politischen Zukunft äußern wird. Es werde nach Angaben der Zeitung “in Saarbrücken” damit gerechnet, dass Lafontaine sein politisches Engagement zurückfahren werde.
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