„Nicht tragfähig“

Halina Wawzyniak, stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, hat Dietmar Bartsch aufgefordert, beim Rostocker Parteitag im Mai erneut als Bundesgeschäftsführer zu kandidieren. Dies wäre, sagte sie dem Tagesspiegel, ein gutes Signal für den Zusammenhalt in der Linken. Der von Gregor Gysi am Montag gegen Bartsch öffentlich erhobene Vorwurf der Illoyalität gegenüber Oskar Lafontaine habe sich „als nicht tragfähig herausgestellt“. Gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärte sie, die Gysi-Rede sei nicht seine klügste politische Leistung gewesen. Damit geht Wawzyniak in der Kritik an Gysis Vorgehen weiter als viele ebenfalls frustrierte Linkspolitiker aus dem Osten, die es aber meist bei dem Appell “Wir brauchen beide – Lafontaine und Bartsch“ belassen.

Wawzyniak bezeichnet auf ihrer Internetseite den Illoyalitätsvorwurf gegen Bartsch als „absurd und/oder konstruiert“ und verweist in diesem Zusammenhang auf einen Beitrag im Neuen Deutschland vom Dienstag, in dem darauf hingewiesen wird, dass die vermeintlich illoyale Äußerung Bartschs gegenüber dem Spiegel – ein Rückzug Lafontaines vom Fraktionsvorsitz sei im kleinen Führungszirkel der Partei schon vor Monaten diskutiert worden – gar nicht illoyal war. Denn faktisch dieselbe Aussage hatte Bartsch schon drei Wochen zuvor im ND getroffen, und niemand fand etwas dabei. Einen Tag später, am Mittwoch, schob das ND „Sieben Fragen zur Streitkultur in der Linken“ nach, die auf allerhand Ungereimtheiten in der Argumentation der Bartsch-Kritiker eingehen und in denen laut Wawzyniak alles auf den Punkt gebracht wird – bis hin zu der Frage, warum Lafontaine zu dieser Zerreißprobe seiner Partei schweigt, obwohl Gysi erst kürzlich nach einem Besuch im Saarland erklärt hatte, man könne mit Lafontaine über alles sehr gut reden. Irritiert durch Gysis Auftritt in Berlin, forderte Wawzyniak nach eigener Darstellung im Anschluss eine Sitzung des geschäftsführenden Vorstands, die aber nicht einberufen wurde. Nun fragt sich die Frau, die ja immerhin Stellvertreterin von Oskar Lafontaine und Lothar Bisky ist, wer eigentlich dem von Dietmar Bartsch erwähnten engsten Führungszirkel angehört – sie selbst ja offenbar nicht, sonst wüsste sie es – und worüber er entscheidet. (vk)

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Ein Kommentar zu “„Nicht tragfähig“”

  1. Halina sagt:

    nun ja, der tagesspiegel zitiert nicht ganz korrekt. ein signal der einheit der partei wäre aus meiner sicht, wenn lafontaine parteivorsitzender bliebe und bartsch geschäftsführer.

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