Für die Brauereikultur

Für die Brauereikultur

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Politik sollte eigentlich ein bisschen Spaß machen. Ob das zurzeit
auch die Genossen der Linken so erleben? Man wird die Zweifel nicht los. Aber es ist ja nicht alles Personalstreit und Richtungskampf. Weithin unbeachtet wächst in der Partei von unten eine Bewegung, die „Politik und Geselligkeit“ zu verbinden sich vorgenommen hat und das Erfreuliche mit dem Nützlichen verbindet. Seit August letzten Jahres gibt es in Berlin eine Landesarbeitsgemeinschaft Brauereikultur, im November wurde auch in Bremen eine solche gegründet. Die Mutter der sozialistischen Freunde des Gerstensaftes aber findet man im Saarland. Die Arbeitsgemeinschaft dort hat „weit über 100“ Mitglieder und ist damit die größte im Land. Alles nur Nonsens? Ein Vehikel, den Alkoholkonsum hinter politischer Aktivität zu verstecken? Keineswegs.

Es geht um nichts geringeres als die „Funktionsweise des real-existierenden Kapitalismus“, anschaulich erklärt am Niedergang kleiner regionaler Brauereien, die von Konzernen geschluckt werden, dann einen Einheitsgeschmack zusammenbrauen, Kneipenpächter am Preisband knebeln und das Reinheitsgebot mit allerlei Chemie unterlaufen. Darüber kann man trefflich beim Bier debattieren, die Parteibildung bei Exkursionen in Brauereien vorantreiben und die Brücke zu allgegenwärtgen Politthemen schlagen. Die saarländische Avantgarde um Linken-Geschäftsführer Thomas Lutze macht es vor und darf sogar einen Delegierten zum Landesparteitag entsenden. (Den mitreißenden Bericht über die Gründungsversammlung der Arbeitsgemeinschaft Brauereikultur im Saarland findet man hier – das ganze fand natürlich in Bierbach statt.) Wer nun bloß an Saufgelage in verrauchten Hinterzimmern denkt, kann sich ja mal vor Ort erkundigen. Die Jahreshauptversammlung der saarländischen Brauereikulturfreunde jedenfalls ist unlängst „ohne wesentliche Vorkommnisse“ zu Ende gegangen. (tos)

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