„Das geht so nicht“
Aus der dritten Reihe der Linkspartei frohlockte es am Montag
bereits überschwänglich: “Ich gebe dem nur noch eine Woche.” So wird es wohl nicht kommen. Aber wer sich heute die Rede von Gregor Gysi beim so genannten Jahresauftakt der Linksfraktion angehört hat, kann nicht mehr viele Zweifel haben: Ab Mai dürfte der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei nicht mehr Dietmar Bartsch heißen. Gysis Kritik war überraschend deutlich – der 51-Jährige habe das Vertrauen des Parteichefs gebrochen, Informationen an die Medien gegeben und damit die Debatte ausgelöst, die bald überall nur noch Machtkampf genannt wurde. „Das geht so nicht“, sagte Gysi – und meinte damit eine Passage aus dem umstrittenen Spiegel-Beitrag vom November, in dem Bartsch mit den Worten zitiert wird: „Schon Anfang des Jahres gab es im engsten Führungskreis Diskussionen darüber, dass Oskar Lafontaine nach der Wahl nicht mehr die Fraktion führen wird“. Die zweite an das Hamburger Magazin gelangte Information, die Bartsch nun angekreidet wird, sei der Hinweis, dass Lafontaines Vorsitzenden-Schreibtisch in der Parteizentrale leer sei. Und nun? „Wir haben ein Problem. Aber wir werden eine Lösung finden“, so Gysi. Auf Nachfragen in der Pressekonferenz sagte der Fraktionschef, „letztlich“ müsse Bartsch die Entscheidung, ob er noch einmal als Bundesgeschäftsführer kandidieren wolle „selbst treffen“. Die Lösung, die sich Gysi vorstellt, werde „wehtun“ aber „ohne Demütigung“ erfolgen – auch nicht gegenüber jenen, die Fehler gemacht hätten. Bartsch hat sich bisher nicht festgelegt, ob er noch einmal kandidiert. Den Eindruck, eine Rückkehr Lafontaine sei davon abhängig, ob Bartsch den Posten behalte, wies Gysi zurück. Der Linken-Chef sei doch nicht „kleinkariert“. Im übrigen zeigte sich zumindest die erste Reihe der Partei heute bemüht, nicht noch weiter Öl ins Feuer zu gießen. (tos)
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