Unvermindert

„Machtstreit bei Linken geht unvermindert weiter“, meldet am Nachmittag eine Nachrichtenagentur – und ist damit in großer Gesellschaft. Nach der Klausur der Linksfraktion, über die man aus den Zeitungen vor allem erfuhr, wer was gegen oder für Dietmar Bartsch ins Felde führte, geht die Debatte um den Bundesgeschäftsführer weiter. Der Landessprecher in Nordrhein-Westfalen legte Bartsch im WDR einen raschen Rücktritt nahe, die stellvertretenden Landesvorsitzenden aus Sachsen-Anhalt und Sachsen nannten ihn dagegen „unverzichtbar“. Gysis Ansprache vom Montag fiel erwartungsgemäß auf ein geteiltes Echo – der Westbeauftragte Uli Maurer sprach von einer „hervorragenden Rede“, Parteivize Halina Wawzyniak sagte dagegen, es wäre nicht die „klügste politische Leistung“ des Linksfraktionschefs gewesen. Die Liste solcher und ähnlicher Einlassungen ist auch heute wieder lang. Bartsch selbst hielt sich bedeckt und sagte, die Partei müsse „zur Ruhe kommen“, er wolle “keine ad-hoc-Entscheidung” treffen – allerdings sei “mit dem gestrigen Tag (…) natürlich eine neue Situation entstanden”. Die Suche nach der „Lösung“, von der Gysi gesprochen hat und die „wehtun“ werde, findet ebenfalls in der Öffentlichkeit statt – zumindest in Andeutungen. Eine Nachrichtenagentur will aus Parteikreisen erfahren haben, dass diese davon ausgehen, dass Bartsch schon bald Konsequenzen ziehen werde. Wird irgendein Linken-Politiker mit dem Hinweis zitiert, der Bundesgeschäftsführer werde auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, wird daraus geschlossen, dass es einen Wechsel des 51-Jährigen auf ein anderes Amt, gegebenenfalls in der Fraktion, geben könnte. (tos)

Drucken Drucken

Kommentiere:

| Kommentare werden moderiert |