Schiefe Vergleiche

Ein Sprecher der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin
(ARAB) hat vor Polizeiübergriffen während der am kommenden Wochenende stattfindenden Liebknecht-Luxemburg-Demonstration gewarnt. Der Mann stellte in der Jungen Welt Berlins Innensenator Erhart Körting „nahezu in eine Reihe mit dem SPD-Bluthund Gustav Noske, der den Mord an Karl und Rosa zu verantworten hat“. Anlass für diese bizarre Zuordnung ist laut jW-Artikel eine Äußerung Körtings vom Dezember (mehr hier und hier). Der Sozialdemokrat hatte mit Bezug auf Brandanschläge auf Autos sowie Attacken auf Polizeiwachen mutmaßlich aus dem linksradikalen Spektrum von rotlackierten Faschisten gesprochen – eine Anleihe bei Kurt Schumacher. Die These des ARAB-Sprechers zeugt, wie bei Körting, von ziemlicher historischer Verirrung; daran ändert auch die womöglich aus juristischem Selbstschutz eingefügte Relativierung „nahezu“ nichts. Körting hat mit Noske ungefähr so viel zu tun wie ein paar abgefackelte Nobelkarossen mit dem Untergang des Kapitalismus. Wer wissen will, was ein Bluthund ist, der sollte mal im Lexikon unter Z wie Zörgiebel, Karl (Berliner SPD-Polizeipräsident Ende der 20er Jahre) und B wie Blutmai (mit Dutzenden Toten und Hunderten Verletzten) nachlesen. Oder er könnte ersatzweise in nicht ganz so alten Zeitungen blättern und lesen, wie Polizeieinsätze unter CDU-Innensenatoren wie Heckelmann, Lummer und Schönbohm sowie unter früheren SPD-Innensenatoren abgelaufen sind.

Auch die Linke als Koalitionspartner der Berliner SPD bekommt beim ARAB-Sprecher ihr Fett weg. Die Partei, die ja immerhin auch dieses Jahr wieder zur Liebknecht-Luxemburg-Ehrung aufruft, wird aufgefordert, „sich nicht weiterhin an der Hetze gegen junge Antifaschisten und Autonome zu beteiligen, sondern sich in aller Klarheit von Körting zu distanzieren“. Nun wird’s allerdings fast schon wieder lustig. Denn Körting hatte gerade der Linken vorgeworfen, sich nicht ausreichend von Autonomen zu distanzieren. Linke-Landeschef Klaus Lederer und die Abgeordnete Evrim Baba hatten Körting in scharfen Worten kritisiert. Sicher, man kann alles noch klarer, noch deutlicher, noch viel, viel unmissverständlicher formulieren – Ansichtssache. Freilich gibt es auch Kritik aus der Linken gegen die militanten Aktionen der – wie es der ARAB-Sprecher ausdrückt – linken Aktivisten. Zwischen Kritik, auch harter Kritik, und Hetze gibt es jedoch durchaus einen Unterschied. Und zwar einen gravierenden. Aber den bemerkt vielleicht nicht, wer einen dussligen historischen Vergleich (rotlackierte Faschisten) mit einem genau so dussligen (Bluthund) beantwortet. (wh)

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