Unter die Lupe
Die nächsten Wahlen in Sachsen-Anhalt sind zwar erst im Frühjahr
2011, die Linke widmet sich einer kniffligen Frage aber schon jetzt: den Biografien der Kandidaten. Die Beschlusslage der Partei ist Dank der Stasi-Enthüllungen in Brandenburg noch einmal herauf und herunter gebetet worden: offener und selbstkritischer Umgang. Nachdem die rot-rote Landesregierung in Potsdam in der geschichtspolitischen Selbstbeschäftigung beinahe unterzugehen drohte, will man angesichts eines möglichen Regierungseintritts in Magdeburg vorbereitet sein. Fraktionschef Wulf Gallert wird in der nachrichtenarmen Weihnachtszeit von einer Agentur mit den Worten zitiert, für ihn hätten die Vorgänge in Brandenburg gezeigt, “dass man einen offenen und ehrlichen Umgang mit der individuellen Vergangenheit braucht”. Die Leute “haben ein Recht zu wissen, um wen es geht”, so Gallert – deshalb müssten die Biografien der Bewerber im Vorfeld der Listenaufstellungen noch einmal unter die Lupe genommen werden. Wie das geschehen soll, bleibt allerdings unklar. In Brandenburg wurde das Vertrauen in die Ehrlichkeit der Kandidaten in wenigen Fällen enttäuscht. Gallerts Äußerungen sind wohl als Versuch zu verstehen, früh genug den Druck auf mögliche Bewerber zu erhöhen. Der besonderen Aufmerksamkeit der Medien für die DDR-Vergangenheiten kann sich die Linke sicher sein. Die Zeitungen werden dann keineswegs nur an den „Fall Tiedge“ erinnern. Zuletzt mehrten sich die Stimmen, nicht nur auf die Staatssicherheit zu schauen, sondern ebenso auf die SED-Funktionäre, “die ja auch vielen Menschen geschadet haben”, wie es Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt ausdrückte. In der derzeitigen Landtagsfraktion der sachsen-anhaltischen Linken blickt eine Mehrheit auf Zeiten mit dem Mitgliedsbuch der Staatspartei zurück. (tos)
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