55,8 Prozent
Man muss nicht in jeder Zahl eine Botschaft sehen – aber dieses Wahlergebnis ist doch eine erklärungsbedürftige Überraschung: Die Thüringer Linke hat ihrem Parteivorsitzenden Knut Korschewsky einen Dämpfer erteilt. Beim Parteitag in Schleiz war unerwartet Stanislav Sedlacik aus Hohenleuben gegen den Landeschef angetreten, ein jenseits des Landkreises Greiz kaum bekannter Mann – auf den dennoch rund 35 Prozent der Delegiertenstimmen entfielen. Das ist zwar beste demokratische Übung, aber eben doch auffällig. Bis zum Wochenende war Korschewsky einziger Kandidat auf den Posten. Auffällige Kritik an seiner Amtsführung hatte man nicht vernommen, die Wahlergebnisse waren nicht schlecht, Chefauswerter und Sondierungsberater Benjamin Hoff sprach auf dem Parteitag nicht ohne Grund von einem „extrem“ erfolgreichen Jahr. Dass es in Erfurt nicht zu einer Koalition kam, lag nach allgemeiner Einschätzung vor allem an der SPD. Und dann doch eine solche Demonstration gegen Korschwesky? Lag es daran, dass er sich in der Vergangenheit das eine oder andere Mal gegen den Spitzenkandidaten und Fraktionschef Bodo Ramelow gestellt hatte – etwa im Zuge der teils sprunghaften Sondierungsgespräche; oder unlängst in der Frage der Doppelspitze bei der Bundespartei? Oder bekam Korschwesky hier stellvertretend für Ramelow einigen Unmut ab, Nachwehen der verunglückten Debatte um die Nachfolge von Oskar Lafontaine? (tos)
Nachtrag 29.11. Was Bodo Ramelow zur Wahl von Korschewsky sagt: “Das Ergebnis zeigt allerdings, dass es einige GenossInnen zu geben scheint, die manches kritisch sehen und ich frage mich, warum diese Kritik in der vorausgegangenen Debatte nicht ausführlich diskutiert wurde. Ich denke, wer etwas anders haben will, soll das auch klar benennen. So etwas unausgesprochen mittels einer Wahlentscheidung ausdrücken zu wollen, ist kein konstruktiver Weg.”
Drucken