Wasserstandsmeldungen
Das Verhältnis zwischen SPD und Linkspartei ist so etwas wie die Daily Soap der deutschen Politik. Vom großen Beziehungstabu will bei den Sozialdemokraten zwar kaum noch jemand reden, aber stürmische Annäherung ist auch nicht zu beobachten. Thüringen und das Saarland werden als gescheiterte Anbahnungsversuche noch eine Weile nachwirken; Brandenburg und Berlin müssen als Zweckehen gelten. In Potsdam sorgt schon wieder ein Stasi-Vorwurf für Misstöne. Und in Berlin geht die Angst um, aus der gescheiterten Wahl der Präsidentin des Rechnungshofs könne eine Dauerkrise werden. Der CDU-Wirtschaftsrat, der der Hauptstadt-SPD gerade noch den Wechsel in eine große Koalition empfohlen hat, präsentiert nun eine Umfrage, mit der die Sozialdemokraten das rot-rote Fürchten gelehrt werden soll. Über 46 Prozent seien der Meinung, die Glaubwürdigkeit der Partei leide nach dem Einstieg in das Bündnis mit der Linken in Brandenburg. In dem Bundesland selbst waren gut 44 Prozent dieser Meinung, in Berlin genau 43 Prozent. Was der Wirtschaftsrat nicht sagt: Zählt man jene zusammen, die der SPD in rot-roten Koalitionen stattdessen einen Zuwachs an Glaubwürdigkeit bescheinigen beziehungsweise die Koalitionsfarben in dieser Frage nicht ausschlaggebend halten, kommt man auf Zahlen, von denen die SPD bei Wahlen längst nur noch träumt. Auch Emnid weist den Weg: Nach deren Studie sagen 34 Prozent, eine Öffnung zur Linkspartei nutze der SPD. Soviel bekamen die Sozialdemokraten bei diesem Institut in einer normalen Umfrage zuletzt im Oktober 2005. (tos)
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Ein Kommentar zu “Wasserstandsmeldungen”