Ramelows Nachfolge-Debatte
Wenn man sich den medialen Aufmarsch vor Augen führt, der am Mittwoch den Auftritt Oskar Lafontaines im saarländischen Landtag begleitete, kann man erahnen, wie gern der Tross auch bei der morgigen Operation des Linksparteichefs die Kameras laufen ließe. Die Karawane zieht und zieht, und daran ändern auch die hier und da erhobenen Bedenken nichts. Den Mann jetzt in Ruhe lassen? Sich bei ihm entschuldigen? Eher wird die Geschichte eine Runde weitergedreht – mit Unterstützung aus der Linken. Bodo Ramelow hat heute erklärt, die Partei müsse sich angesichts des Alters ihres Vorsitzenden auf dessen Nachfolge vorbereiten. „Es muss sowieso ohne Lafontaine gehen“, wird er in der Leipziger Volkszeitung zitiert. „Das hat nichts mit seiner Krebsoperation zu tun.“ Es stimmt wohl, dass die Linkspartei, wie der Thüringer Fraktionschef sagt, „ohne Lafontaine“ in die kommenden Bundestagswahlen gehen wird. 2013 würde der Saarländer in der heißen Wahlkampfphase seinen 70. Geburtstag feiern. Doch der Zeitpunkt des Vorstoßes von Ramelow einen Tag vor Lafontaines Krebs-Operation irritierte nicht nur viele Genossen. Selbst der Nordbayerische Kurier, bisher nicht wegen besonderer Freundlichkeit gegenüber dem Linksparteichef aufgefallen, sprach von einer „Taktlosigkeit“. Ein Eindruck, der dadurch verstärkt wird, dass Ramelow seine eigene Kandidatur für die Nachfolge „nicht generell“ ausschließen wollte.
Eine Bewerbungsrede zur unpassenden Zeit? So nun wohl auch wieder nicht, schließlich kommen diesbezügliche Ambitionen Ramelows nicht überraschend, ein guter Wahlkämpfer ist er zudem. Dass er als mögliche Führungsfiguren gegenüber einer Nachrichtenagentur dann auch noch Katja Kipping, Dietmar Bartsch, Ulrich Maurer, Petra Pau und Dagmar Enkelmann nannte, soll wohl auch so verstanden werden, dass sich hier keineswegs jemand vordrängeln wolle. Seine Äußerungen werden, das musste Ramelow wissen, dennoch anders verstanden. Ebenso wie die erwartbare Tatsache, dass es Kritik von Landesverbänden an der Nachfolge-Debatte zum jetzigen Zeitpunkt geben würde, die in den Medien umgehend als Verschärfung der innerparteilichen Kämpfe ausgelegt werden – typisch, diese Linken, streiten erst recht, wenn der Chef krank ist.
Dabei ist die Nachfolge-Debatte, von der jetzt die Rede ist, erst einmal eine Debatte zwischen der Linkspartei und Bodo Ramelow. Ob Realos wie der Berliner Landeschef Klaus Lederer oder Westlinke wie der baden-württembergische Landeschef Bernd Riexinger – niemand stieß ins selbe Horn wie Ramelow. Der rheinland- pfälzische Landesvorsitzende Alexander Ulrich forderte, die Diskussion um die Nachfolge Lafontaines zu beenden. „Diskussionen über einen Generationswdchsel sind unsinnig und zu diesem Zeitpunkt auch pietätlos“, wird der Sprecher der NRW-Linken, Wolfgang Zimmermann, zitiert. Gregor Gysi, der selbst schon die Erfahrung machen musste, mit einer Erkrankung zum Gegenstand öffentlichen Maulzerreißens zu werden, ließ dessen Anregung unterkühlt abtropfen. „Herr Ramelow“, sagte der Linksfraktionschef, könne ja über alles nachdenken, aber die Nachfolge Lafontaines bewege ihn „im Augenblick, ehrlich gesagt, nicht sonderlich“.
Anfang 2010 will der Vorsitzende der Linkspartei abhängig von seinem Gesundheitszustand und den ärztlichen Prognosen, darüber entscheiden, in welcher Form er seine politische Arbeit fortsetzt. Vielleicht äußert sich Lafontaine auch schon früher. Er wolle, heißt es, in den kommenden Tagen eine persönliche Erklärung abgeben. (tos)
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Das ist wohl eine Verwechslung: Diese Erklärung hatte Lafontaine (damit zitiert in der Saarbrücker Zeitung vom Dienstag) schon am Montag angekündigt. Also einen Tag, bevor er seine Erkrankung und Operation öffentlich machte. Gemeint war wahrscheinlich genau dieses Statement zu seinem Gesundheitszustand, nur dass er es wegen des vom Spiegel angefachten Theaters etwas früher als ursprünglich gedacht abgegeben hat.
Snooker hat Recht. Man kann das aus dem Datum der Stern-Nachricht schließen: 17. November 2009, 11:39 Uhr. Die Krebs-Erklärung von Lafontaine kam dann ein paar Stunden später.