Ramelow als Badboy

Es kommt nicht oft vor, dass ein Politiker derart ausführlich auf seine Kritiker antwortet. Bodo Ramelow hat jetzt in zwei Briefen versucht, seine Rolle bei der – vor allem von den Medien geführten – Diskussion um die politische Zukunft des erkrankten Linksparteichef Oskar Lafontaine zu erklären. „Jetzt stehe ich als Verursache der Nachfolgedebatte aus Anlass der Krebsdiagnose am Pranger“, schreibt der Thüringer Fraktionschef an Spitzengenossen seiner Partei. „Ihr mögt mir Naivität oder Dummheit vorwerfen, aber ich bitte darum, mit nicht Böswilligkeit oder gar Vorsatz zu unterstellen.“ Die etwas komplizierte Angelegenheit, die mit einem nachträglich ergänzten Interview in der Leipziger Volkszeitung beginnt und mit Ramelows Versuch nicht enden wollte, in einem ZDF-Interview „die eigene Deutungshoheit über meine Worte zurück zu gewinnen“, hat auch zu einer Kontroverse mit den Nachdenkseiten.de geführt. Die hatten „mieses Spiel bei der Linken“ beklagt und ausdrücklich Ramelow ins Visier genommen. Der Bogen, den Albrecht Müller dabei schlug, reicht weit in die siebziger Jahre zurück: Damals hätten SPD-Kreise nicht nur die Krankheit Willy Brandts missbraucht, sondern wie „auch bei Oskar Lafontaine angebliche Frauengeschichten in die politische Debatte eingespielt“. In beiden Fällen habe es zudem „scheinheilige Erklärungen der Medien und der instrumentalisierten oder sich instrumentalisieren lassenden Parteifreunde“ gegeben. Ramelow wiederum spricht nun in seiner Entgegnung von einer „interessanten Inszenierung, bei der ich nun bundesweit zum Badboy aufgestiegen bin“. (tos)

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