Keine Zensur. Nirgends.
Wie unter anderem das Neue Deutschland berichtet, hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann eine Texttafel in der Ausstellung “Fremde? Bilder von den Anderen in Deutschland und Frankreich seit 1871″ zensieren lassen. Das wies der Präsident der Stiftung und Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums, Hans Ottomeyer, zurück – CDU-Mann Neumann habe in diesem Zusammenhang keine Rolle gespielt, politische Einflussnahme oder gar Zensur habe es nicht gegeben. Statt dessen habe er selbst, so Ottomeyer, “berechtigte Rückfragen” des zuständigen Referats des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien zum Anlass genommen, “in eigener Verantwortung Modifizierungen vorzunehmen”. Das ist 20 Jahre nach der Wende ein wunderbarer Beweis dafür, dass ein bisschen DDR doch noch lebt, und zwar mitten in der BRD-Bürokratie: das bewährte Prinzip der Zensur und Selbstzensur. Nur dass es die DDR-Funktionäre nicht so niedlich ausgedrückt hätten. Und um die Sache perfekt zu machen, fügte Ottomeyer noch hinzu: “Für die entsprechenden Hinweise war ich dankbar.” Es war eben doch nicht alles schlecht. (wh)
Nachtrag 12.11.
Der Tagesspiegel berichtet, “Mitarbeiter des Museums” hätten bestätigt, “dass Neumanns Apparat Druck ausgeübt habe, auch wenn die offizielle Darstellung anders lautet.” Die Frankfurter Allgemeine erinnert sich an eine Rede von Neumanns Stellvertreterin zur Eröffnung der Ausstellung, die es seinerzeit als „schade“ beziechnet hatte, dass in den Begleittexten der fremdenfeindliche Aspekt die Integrationsleistungen der Bundesrepublik „ein wenig“ überlagere – aber dies sei „natürlich Sache der Ausstellungsmacher“. Natürlich! In der Süddeutschen schreibt Franziska Augstein: “Hans Ottomeyer scheint voreilig auf Anregungen aus Neumanns Ministerium reagiert zu haben. Er steht offenbar nicht hinter der neuen Ausstellung. Ottomeyer ist ein Kunsthistoriker, der sich fürs Detail begeistert. Die deutsche Geschichte besteht aber nun einmal nicht nur aus Geschirr, Gewehren und Gewändern.”
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Man hat tatsächlich den Eindruck, dass Direktor Ottomeyer nachgefragt hat, wie sich denn Museumsmitarbeiter – oder Verlagslektoren, Filmautoren, Zeitungsredakteure etc. – früher gegenüber ihrer Obrigkeit verhielten, und dann deren an dem Satz “Wahrheit sei gezügelt durch Weisheit” geschulte Praxis buchstabengetreu übernahm. Mehr:
http://www.blogsgesang.de/2009/11/12/vorauseilende-zensur-im-deutschen-historischen-museum/