Über die Medien
Als linke Sozialdemokratin kann man nicht auf faire Berichterstattung hoffen. Wer wüsste das besser als Andrea Yspilanti. Eben noch schlagzeilte die Welt, die hessische SPD-Politikerin arbeite „an ihrem politischen Comeback“, obwohl sie weder „Schuldbewusstsein“ zeige noch etwas „bereut“. Zwei Tage später liest man im selben Blatt, dass Ypsilanti „ein Jahr nach ihrer gescheiterten Regierungsübernahme eigene Fehler eingeräumt“ habe – ganz so, als ob die 52-Jährige überhaupt erstmals Selbstkritisches geäußert hätte. Nun muss man sich nicht besonders in der SPD auskennen, um über diese Partei zu schreiben. Hinderlich ist das allerdings auch nicht. Beim SPD-Landesparteitag in Darmstadt im Februar zum Beispiel sagte Ypsilanti: „Ich habe mich in den letzten Monaten wiederholt zu Fehlern bekannt. (…) Ich trage schwer an diesen Ereignissen und habe deshalb meinen Teil der Konsequenzen gezogen. Ich muss leben mit dieser Verantwortung und damit, unter öffentlicher und innerparteilicher Anklage zu stehen.“ Was ihr „Comeback“ angeht, von dem inzwischen auch anderswo die Rede ist, darf man auf die weitere Berichterstattung von dem Basisratschlag gespannt sein, zu dem einige SPD-Linke heute nach Kassel eingeladen haben. Der Mainstream ist bemüht, den Termin herunterzuspielen, Inhalte werden nur in wenigen Zeitungen überhaupt näher beleuchtet, Akteure kommen nur selten ausführlich zu Wort (etwa hier und hier). Die Kritiker dagegen öfter: Anonyme SPD-Spitzenpolitiker haben das Treffen als irrelevante Selbstbespiegelung von „Outlaws“ abgetan, selbst Leute, die sich dem linken Flügel zurechnen, disqualifizierten den Ratschlag mit abfälligen Kommentaren. Wie hieß es in der Einladung nach Kassel? Man müsse den derzeitigen Zustand überwinden, in dem die Willensbildung der Partei „über den Umweg der Medien“ vorbestimmt wird. (tos)
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