Matschies ausgestreckte Hand
Christoph Matschie hat sich in Thüringen durchgesetzt. Die Sozialdemokraten stimmten am Abend mit deutlicher Mehrheit dem Vertrag der „großen“ Koalition zu. Über 74 Prozent der Delegierten sprachen sich damit für einen Kurs aus, der viel kritisiert und von einem beträchtlichen Teil der Basis abgelehnt wurde. Matschies Stärke ist nicht ein Regierungsvereinbarung, in der hinter den nun gepriesenen „SPD-Erfolgen“ immer ein Haushaltsvorbehalt steht und Kernpunkte des Wahlkampfes (etwa der Mindestlohn) nicht einmal mehr vorkommen. Matschies Stärke sind seine schwachen Gegner: Die namhaften Kritiker in der Thüringer SPD bliesen den Machtkampf in jenem Augenblick ab, als Matschie ihn angenommen hatte. Wäre wirklich ein größerer Imageschaden entstanden, wenn die Partei ihren Spitzenkandidaten demontiert hätte? Waren die Truppen doch zu klein, die Kreisverbände wankelmütig? Oder einfacher gar: Wurde die Lage falsch eingeschätzt? Andreas Bausewein, der zum Sprecher der Parteilinken im Freistaat geworden war, hatte es unlängst noch als „ein Rätsel“ bezeichnet, wie man mit einer Mehrheit für den Koalitionsvertrag auf dem Landesparteitag rechnen könne. Nun steht der Erfurter Bürgermeister da – und mit ihm eine ganze Reihe anderer Sozialdemokraten. Die ausgestreckte Hand, von der Matschie beim Parteitag sprach, lässt sich nun nicht mehr ausschlagen. Sein Versprechen, bald auch jene in den Landesvorstand einzubinden, die andere Koalitionsfarben gewollt hatten, ist ein Danaergeschenk: Sie sitzen nun mit im schwarz-roten Boot und gehen, sollte die SPD wie in so vielen Koalitionen mit der CDU zuvor noch weiter verlieren, gemeinsam mit dem Landeschef unter. (tos)
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Ein Kommentar zu “Matschies ausgestreckte Hand”