Bombenstimmung

Die Redewendung vom heißen Herbst ist schon oft und für alles Mögliche strapaziert worden. Nun, in den Tagen wilder Koalitionsdebatten in Thüringen und im Saarland, erhält sie einen neuen Inhalt. Nach dem Beschluss der Saar-Grünen, nicht mit Rot-Rot, sondern mit Schwarz-Gelb zu verhandeln, erhielt der Landesvorsitzende Hubert Ulrich nicht nur wütende Mails, sondern auch Morddrohungen, wie jetzt bekannt wurde. Auch eine Bombendrohung gegen das Parteibüro in Saarbrücken ging ein. Kein Mensch weiß, wie ernst die Drohungen zu nehmen sind und von wem sie kommen, aber vorsichtshalber erhält Ulrich zunächst Personenschutz. Da geht es ihm genauso wie Thüringens SPD-Chef Christoph Matschie, der nach seiner Entscheidung gegen Rot-Rot-Grün und für eine Koalition mit der CDU einen Drohbrief mit einer scharfen Patrone erhielt. Da fällt einem schon die Mafia ein, zu deren Repertoire man als Kinosbesucher solche Foklorehandlungen zählt. Vielleicht ist es gar nicht so zufällig, dass der Grüne Daniel Cohn-Bendit seinen Saar-Parteifreund (oder -feind?) Ulrich als Polit-Mafioso beschimpfte. Man könnte nun resümieren, dass die Vorgänge zeigen, wie emotional über Linksregierungen debattiert wird und wie groß manche Enttäuschung angesichts der verpassten Politikwechsel sein muss. Man könnte zu den Drohungen aber auch sagen: Verrückte aller Länder, vereinigt euch! (wh)

Drucken Drucken

Kommentiere:

| Kommentare werden moderiert |