In der ersten Reihe
Wer sagt, es gebe Wichtigeres, dem soll nicht widersprochen werden: Zwischen den Parteien ist die Sitzordnung im Bundestag umstritten. Weil sich mit der Wahl die Größenverhältnisse zwischen den Fraktionen deutlich verändert haben, muss auch die Platzzuteilung im Plenum überarbeitet werden. Dass ist nicht nur eine Frage von Stühlerücken, sondern auch, soweit es die erste Reihe betrifft, von politischer Symbolik. Die gerupfte SPD kann nicht mehr darauf hoffen, einen eigentlich der Union zustehenden Platz überlassen zu bekommen, wie es in den vergangenen vier Jahren der Fall war. Die um ein Drittel geschrumpfte Fraktion könnte sogar nur drei Plätze zugesprochen bekommen, während die Union sechs erhält. Bei einem Verhältnis von 146 zu 239 Abgeordneten erscheint das sogar angemessen – die Sozialdemokraten sind dennoch nicht glücklich und bevorzugen eine Lösung, die den Unterschied nicht ganz so dramatisch ins Bild setzt. Die Linkspartei, die bisher nur einen einzelnen Platz in der ersten Reihe hatte – hier durfte mal dieser und mal jener sitzen – erhält in der kommenden Legislatur, die am 27. Oktober mit der Konstituierung des Bundestags beginnt, wie auch FDP und Grüne zwei Sitze in der ersten Reihe. Ob dann dort noch Oskar Lafontaine Platz nehmen wird, darf angesichts der Meldungen über seinen möglichen Wechsel ins Saarland noch offen bleiben. Die Fraktion hat entsprechende Nachrichten als „reine Spekulation“ bezeichnet, nicht gerade das schärfste Dementi, das man sich vorstellen kann. Mögliche Nachrückerin für Lafontaine wäre die Saarbrücker Studentin Yvonne Ploetz, die am Tag nach der Bundestagswahl 25 Jahre alt geworden ist und auf Platz drei der Landesliste der Saar-Linken stand. (tos)
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