Die Spiegel-Experten

Dass der Spiegel keine Sympathien für Oskar Lafontaine hegt, weiß man inzwischen. Dennoch arbeitet das Magazin weiter an diesem Profil. In einem Bericht über einen Wahlkampfauftritt des Linksparteichefs in Frankfurt (Main) wird nicht nur zwischen den Zeilen deutlich, dass beim einstigen „Sturmgeschütz der Demokratie“ inzwischen oft der Wunsch der Vater des Gedanken ist. Neben der üblichen Herablassung gegenüber Lafontaine behauptet die Autorin, die Linke habe bei den Landtagswahlen in Thüringen und im Saarland überraschende Erfolge eingefahren. So etwas kann nur jemand formulieren, der keine blasse Ahnung hat.

Denn die Resultate kamen keineswegs aus dem Nichts. In Thüringen hat die Linke ihr PDS-Ergebnis von 2004 leicht verbessert; schon damals hatte sie über 26 Prozent. Und dass sie diesmal noch auf etwas Zuwachs hoffen konnte, ergab sich allein schon aus dem grotesken Wahlkampf der Althaus-CDU. Im Saarland war die Linkspartei in den Umfragen auch schon mal in den 20-plus-x-Regionen angekommen, in denen sie am Ende wirklich landete. Kurz vor der Wahl hatten Meinungsforscher einen Abwärtstrend Richtung 15 bis 16 Prozent prophezeit – allerdings war klar, dass der Oskar-Faktor gerade hier eine außergewöhnliche und von den Demoskopen wohl nicht adäquat zu erfassende Rolle spielen würde.

Ansonsten packt der Spiegel alle bekannten Negativschablonen über die Linke aus; solche Artikel kann man auch zusammenrattern, ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen oder gar nach Frankfurt zur Wahlkampfdemo zu fahren. Auf Genauigkeit kommt es da natürlich nicht an. Der viel zitierte parteiinterne Lafontaine-Kritiker Carl Wechselberg wird, damit es sich bedeutender liest, schnell mal zum finanzpolitischen Sprecher der Partei gemacht, der aus Frust über Oskars Kurs aus der Partei austrat. Das stimmt nicht mal zur Hälfte. Wechselberg war (und ist, inzwischen parteilos) Mitglied der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, war dort finanzpolitischer Sprecher – und hat diese Funktion niedergelegt sowie den Parteiaustritt erklärt. Eine Funktion auf Bundesebene in der Linken hat er nie gehabt.

Für die Bundestagswahl wünscht das Magazin der Linken natürlich nichts besonders Gutes. Erinnert wird an das eher enttäuschende Ergebnis der Europawahl (7,5 Prozent). Zitiert wird der Parteienexperte Hans Herbert von Arnim mit der Bemerkung, in Thüringen und im Saarland hätten Sonderbedingungen geherrscht, weshalb man die Ergebnisse der Landtagswahlen nicht verallgemeinern könne. Mal sehen, welche Expertenmeinung der Spiegel nach der Bundestagswahl äußert. (wh)

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