Austritte im Nordwesten

Parteikrisen kann man unterschiedlich handhaben: Man kann sie so managen, dass die Streitenden – wenn sie sich nicht einigen wollen – wie Erwachsene Menschen auseinandergehen, mit etwas Respekt und mit dem Bemühen um Schadensbegrenzung. Man kann natürlich auch versuchen, den größtmöglichen Schaden anzurichten und ein Trümmerfeld zu hinterlassen. Für letztere Variante scheint es im Landesverband Schleswig-Holstein der Linkspartei ausgesprochene Spezialisten zu geben. Seit Jahren herrscht dort Streit, und Beobachter haben sich schon gewundert, dass es in den letzten Wochen vor der Landtags- und Bundestagswahl so ruhig zugegangen ist. Aber jetzt, kurz vor der Angst, kam der große Knall:

Am Donnerstag trat eine Gruppe Funktionäre im Nordwesten aus der Partei aus. Gerade noch rechtzeitig, damit die Sache vor dem Wahltag groß in die Medien kommt. Aber auch so spät, dass nur noch ein fataler Eindruck bleiben kann. Mehr als zehn Vorstandsmitglieder und Abgeordnete aus zwei Kreisen zelebrierten eine Art Massenaustritt; sie gehören einem Flügel des Landesverbandes an oder stehen ihm nahe, der bei den Wahlen zum Landesvorstand sowie zu den Bundestags- und Landtagslisten unterlegen war. Dahinter steckt unter anderem ein Konflikt zwischen der Alt-PDS in Schleswig-Holstein und neu hinzu Gekommenen; manche Streitpunkte sind für Außenstehende kaum zu verstehen. Dass die Linke vor Wahlen ordentlich diskreditiert wird, das haben im Saarland und in Hessen so genannte Vereine besorgter Bürger versucht – schlecht getarnte Wahlkampfhelfer der politischen Konkurrenz. Im Nordwesten erledigen das die Genossen offenbar gleich selbst. Landessprecherin Cornelia Möhring erklärte die Turbulenzen damit, dass ihre Partei noch jung sei und hofft, dass die Linke in Schleswig-Holstein dennoch eine starke soziale Kraft wird. Dafür hat sie bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr eine gute Basis geschaffen, und auch in den Umfragen für die Landtagswahl lag sie zuletzt zwischen sechs und sieben Prozent. Der sicher geglaubte Einzug ins Kieler Landesparlament könnte nun noch in Gefahr geraten – Gewinner wäre weder der eine noch der andere Flügel, sondern höchstens CDU-Ministerpräsident Carstensen, der mit einer Partei weniger im Parlament leichter eine schwarz-gelbe Mehrheit erreichen kann. (wh)

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