Kein unbeschriebenes Blatt

Über das Verhältnis zwischen Springer-Verlag und Linkspartei ist einiges gesagt. Eine Vermutung muss es dennoch bleiben, dass die Rechtsanwältin Heike Dittmann die ganzseitige Anzeige in der Wurfzeitung Berliner Woche für einen besseren Preis bekommen hat als üblich. Eine ganze Seite in dem Werbeblättchen hat sechs spalten a 430 Militmeter, macht für eine ganze Seite 2580 Milimeter. Der kostet in Treptow einen Grundpreis von 1,36 Euro, in Köpenick kommt es mit 1,29 etwas günstiger. Irgendwas um 3.300 Euro jedenfalls wird sie also gekostet haben, diese Anzeige, von der hier schon die Rede war. Diese leere Seite soll natürlich irgendwie witzig rüberkommen, und vielleicht hat ein Gregor Gysi ja auch etwas weniger Wahlkreisarbeit vorzuweisen als irgendein FDP-Hinterbänkler. Wundert das jemanden? Wenn jemand wie Gysi immer noch Zeit für Dutzende Sprechstunden mit über 400 Wählern hinter sich bringt, aber lassen wir das. Aber darum geht es der Anzeige ja gar nicht. Man fragt sich trotzdem, wer denn diese „Vereinigung der verantwortlich denkenden Bürger für Treptow-Köpenick“ sein könnte und was man vorweisen muss, um aufgenommen zu werden. Ein Rechtsanwaltsbüro in Schöneberg ist offenbar kein Ausschlussgrund. Darauf hat auch die Bundestagsabgeordnete Petra Pau verwiesen und zugleich die Vermutung hinterlegt, es könne sich um eine Aktion der CDU handeln. Mag sein. Manche vermuten, dass vielmehr die SPD in Treptow-Köpenick dahinter steckt. Was dann weniger mit dem eher glücklosen Kandidaten und Wahlkampfchef der Sozialdemokraten Kajo Wasserhövel zu tun haben dürfte, als mit den Parteianimositäten im Bezirk. Was bleibt? Gregor Gysi wird das Direktmandat trotzdem holen. Er ist schließlich alles, aber auf keinen Fall das, was die Wahlkampfanzeige insinuiert: ein unbeschriebenes Blatt. (tos)

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