Brandenburgs Gurkentruppe
Spätestens seit der grotesken Bratwurst-Kampagne der Jungen Union Thüringens gegen Bodo Ramelow weiß man, dass sich der CDU-Nachwuchs als Kampfreserve und Agitprop-Stoßtrupp seiner Partei versteht. Dieses Image wird jetzt von den Jung-CDUlern in Brandenburg weiter gepflegt, die sich kurz vor der dortigen Landtagswahl eine Kampagne gegen – richtig: die Spitzenkandidatin der Linken, Kerstin Kaiser, ausgedacht haben. Allerdings ist den christlichen Jugendfreunden nichts Besseres eingefallen, als einen uralten Hut rauszukramen: Kerstin Kaiser war in jungen Jahren, als Studentin, Stasi-IM und hat über Kommilitonen banale bis peinliche Berichte abgeliefert. Donnerwetter! Das weiß man zwar seit 15 Jahren, aber die Junge Union tut trotzdem so, als wäre es eine Sensation. Kaiser hat, obwohl sie auch vorher schon darüber gesprochen und geschrieben hatte, nach der Bundestagwahl 1994 ihr in Brandenburg gewonnenes Mandat zurückgegeben, weil plötzlich eine große Medienaufregung um ihren “Fall” entstanden war. Sie war dann auch nicht mehr lange PDS-Vizevorsitzende. Sie hat sich in der Brandenburger Landes- und Kommunalpolitik hinten angestellt, hat sich über Jahre hinweg wieder nach oben gearbeitet, ist offen mit ihrer Vergangenheit umgegangen. Seit etlichen Wahlen wissen das die Wähler und wählen sie im Bewusstsein auch dieser Vergangenheit. Wer Genaueres erfahren will, kann es jederzeit auf Kaisers Internetseite ausführlich nachlesen. Der Jungen Union Brandenburg kann man nur gute Besserung wünschen; wenn diese Geschichte der Trumpf im Wahlkampf sein soll, dann ist sie eine ziemliche Gurkentruppe. Die Wähler wird es nicht jucken – die Linkspartei wird in Brandenburg weiter klar vor der CDU liegen. (wh)
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