Aufzug für den Abzug

Die Linkspartei ruft für Dienstag zu einer Kundgebung auf. Nach dem tödlichen Bombardement, das seit vergangene Woche die politische Debatte dominiert, ist das so naheliegend, dass sich eine Frage gar nicht recht stellen will: Nehmen Oskar Lafontaine und Genossen den Angriff auf zwei Tanklastzüge nahe Kundus in den Dienst ihres Wahlkampfes? Man hat sich ja schon gefragt, warum überhaupt in diesem Herbst (siehe etwa hier) keine Demonstration der Friedensbewegung stattfindet – es hätte nach den herbstlichen Aktionstagen der vergangenen Jahre durchaus erwartet werden können. Womöglich bestand 2009 die Sorge mangelnder Beteiligung, weil der Einsatz der Bundeswehr lange Zeit keine große Rolle im Wahlkampf spielte und zudem andere Aktionen sozialer Bewegungen den Terminkalender enger werden ließen: Antiatom, dezentraler Aktionstag der Krisenproteste, Freiheit statt Angst. Offenbar hat es auch keine Absprache zwischen einem Teil der Antikriegsbewegung und der Linken gegeben, jedenfalls ruft der Bundesausschusses Friedensratschlag nicht für Dienstag auf, sondern zu dezentralen Veranstaltungen am Mittwoch. Vor dem Brandenburger Tor sollen neben Lafontaine und Gregor Gysi auch Daniela Dahn und Christoph Hein sprechen. Hein war, Dahn ist im Herausgeberkreis des Freitag. (tos)

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