Luxemburg kommt

Es mag nicht allzu viele Menschen geben, die der im Dezember vergangenen Jahres eingestellten Zeitschrift Utopie kreativ nachgetrauert haben. Der Grund ist banal: Es gab nur wenige Leser. Das soll nicht heißen, dass eine „Diskussion sozialistischer Alternativen“ – so der Untertitel – nicht mehr verdient gehabt hätte. Die Beiträge gehörten bisweilen zum Interessanteren von dem, was man in der Linken zu Lesen bekam. Es gibt noch einen weiteren Grund, dass die Trauer kurz weilte: Im letzten Heft könnte man bereits erfahren, dass die Linkspartei-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung RLS hier nicht einfach nur etwas einstellt, sondern zugleich etwas Neues beginnen wird. Kontinuität und Neuanfang, hieß es damals, man wolle „ bis Mitte 2009 mit einer neuen Zeitschrift eine neue Seite aufschlagen, aber wir greifen zu keinem anderen Buch“. In den nächsten Tagen wird der Nachfolger erscheinen: Luxemburg. Gesellschaftsanalyse und politische Praxis. Die erste Nummer widmet sich, wie könnte es zurzeit anders sein, der Krise. Dass beim Neuanfang das S-Wort nicht mehr im Titel erscheint, muss hier nicht gleich mit irgendeinem Zeitgeist in Verbindung gebracht werden, Luxemburg soll „eine sozialistische Zeitschrift“ sein, wie Stiftungschef Heinz Vietze in der ersten Nummer schreibt. Allerdings hat sich der, wenn man so will: Ort des Sozialismus, der gemeint ist, verschoben – von hinten nach vorne, von gestern nach morgen. Das hängt auch mit der Wandlung der RLS zusammen, die heute eine andere ist als 1990. „Die Aufgabe der kritischen Bewahrung der sozialistischen Vision, wie sie zunächst im Vordergrund stand, ordnet sich nun ein in den Zweck der Beförderung einer radikalen Realpolitik im Sinne Rosa Luxemburgs“, so Vietze. Das Heft will „Plattform des Dialogs der »Mosaik-Linken« (Hans Jürgen Urban) werden und dazu beitragen, sie zu gemeinsamer Intervention zu befähigen“. Das klingt ein wenig nach jenem schon an so vielen Kneipenabenden ersehnten großen, klugen, strömungsübergreifendem Debattenorgan. Und vielleicht ist kann es das ja auch werden. Es gibt bereits ein Redaktionsblog und auch bei Facebook findet man das Heft. Von der im Vergleich zur Utopie kreativ gefälligeren Aufmachung lassen wir uns zwar nicht schon gleich beeindrucken. Auf den Inhalt sind wir aber dennoch gespannt. Ein Rezensionsexemplar ist unterwegs, mehr dann hier demnächst auf lafontaines-linke.de. Nur eines ging uns jetzt schon durch den Kopf: Luxemburg? Haben denn alle die gleichen Probleme, wenn es darum geht, einen ordentlichen Namen für ein Zeitschriftenprojekt zu finden? Aber Utopie kreativ war ja als Name nun auch nicht gerade – genau: kreativ. (tos)
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Zur Frage, ob es denn tatsächlich für alle das gleiche Problem ist, einen ordentlichen Namen für ein Zeitschriftenprojekt zu finden, schlage ich eine Gedankenübung vor: man versuche, irgendeinen bedeutsamen linken Begriff zu finden, der einigermaßen griffig ist und google, ob er nicht entweder bereits Name einer Zeitschrift ist oder war oder innerhalb der gesellschaftlichen Linken Anlass zu Streit war/ist und damit so aussieht, als wolle sich das neue Debattenorgan von vornherein auf die ein oder andere Seite schlagen? Oder auf andere Weise zu ausschließend wirkt – zu theorielastig, zu kulturlastig, zu akademisch, zu wenig akademisch?
Ich bin gespannt.
Auch Utopie kreativ sollte ja zumindest mal Utopie konkret heißen – allerdings hat die Zeitschrift konkret ein Copyright auf alle Titelkombinationen mit “konkret”.