Strahlemann Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier ist ein Unikum. Selbst wenn er bis zum Hals im Morast steckt, grinst er im Breitwandformat, als wäre er eben Opa geworden. Mit diesem Siegerlächeln stellte er sich am Sonntagabend vor seine Genossen, die ihn auch noch minutenlang feierten. Das zeigt, wie bescheiden die Ansprüche der Sozialdemokraten geworden sind. Denn man muss gar nicht sehr genau hinsehen, um zu erkennen, dass die SPD neben der CDU die große Verliererin dieses Wahltages ist. Im Saarland das schwächste Ergebnis seit über 50 Jahren, in Sachsen sitzengeblieben auf dem historischen Tief von 2004 (hier stagniert die Partei seit 1999 um die zehn Prozent), in Thüringen nur mäßig erholt von der Rekordpleite vor fünf Jahren – so sehen nun wirklich keine Gewinner aus.

Wenn man fragt, worin die Dauerschwäche der SPD begründet ist, kommt man schnell auf zwei Antworten. Ganz vorne steht sicherlich ihr seit Agenda-Zeiten erworbener Ruf, keine Partei der kleinen Leute mehr zu sein. Diverse soziale Versprechungen in letzter Minute sind nicht mehr als durchsichtige Manöver. Die Wähler sind aufgeklärt genug, das zu erkennen. Und zweitens: So unterschiedlich die Umstände in den drei Ländern sind, in denen jetzt gewählt wurde – überall hatte die SPD Schwierigkeiten damit, sich zu einer klaren Reformalternative gegenüber den bisherigen Regierungen zu bekennen.Das reicht vom Drang in eine erneute große Koalition in Sachsen über das Liebäugeln mit Schwarz-Rot und der Weigerung, die stärkere Linke zu akzeptieren, in Thüringen bis zu den verbreiteten Animositäten gegen die Person Lafontaine in der Saar-SPD. Dabei ist es vor allem Lafontaine zu verdanken, dass sich an der Saar überhaupt eine linke Option eröffnet. Denn mit ihrem Ergebnis allein, nicht weit vor der Linkspartei, wäre die SPD verloren. SPD und Linke gemeinsam haben jetzt fast den Stimmenanteil, den die Sozialdemokraten unter Ministerpräsident Lafontaine einst allein erreichten. Und auch in Thüringen bliebe die SPD ohne das Ramelow-Team bedeutungslos.

Das alles sind keine hoffnungsvollen Zeichen für die SPD. Dem Wahlkämpfer Steinmeier bleibt indessen nichts anderes übrig, als sich in Optimismus zu üben. Schlechter kann es ja kaum noch werden, mag er sich sagen. Mal abwarten. Vor einigen Tagen, während der Leichtathletik-WM in Berlin, bemühte Steinmeier ein Sprachbild aus dem Sport: Der Bundestags-Wahlkampf sei ein Langstreckenlauf, und bei den Wahlen am 30. August werde die Zwischenzeit genommen. Wer allerdings bei der WM auf halber Strecke schon so weit zurücklag, hatte nicht mehr die Spur einer Chance. Eins ist aber sicher: Auch am Abend des 27. September wird Steinmeier strahlen. Obwohl vielleicht nur er alleine weiß, warum. (wh)

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