Knallhart draufgehalten

Das ZDF füllt das politische Sommerloch wieder einmal mit seinen Sommerinterviews – Gesprächen mit Spitzenvertretern der Parteien. Die Interviewer Peter Frey und Peter Hahne beschreiben im Nachhinein auf der ZDF-Webseite das Drum und Dran des TV-Events. Im Normalfall eine  Mischung aus Fernseh-Selbstbeweihräucherung und Politkitsch. Vor einer Woche, nach dem Interview mit Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine, wechselte Frey den Blickwinkel. Er war, was hier schon kommentiert wurde, mit Lafontaine im Interview ein wenig aneinandergeraten und verteilte nachher Zensuren: Der Mythos Oskar verblasse, der Mann werde unsicher, denn: “Immerhin steht er vor einer empfindlichen Niederlage.” Soso, was der Herr Frey vom ZDF alles weiß. Um so erstaunlicher ist es, dass Frey dergleichen über seinen jüngsten Sommerinterview-Gast Frank-Walter Steinmeier nicht zu berichten wusste.

Steinmeier hangelt sich zwar als SPD-Spitzenkandidat Woche für Woche in Umfragetiefen, die der von ihm abgesägte Kurt Beck auch nicht besser erturnt hätte. Die seit Wochen angekündigte “Aufholjagd” gegenüber der Union spielt sich im unteren 20-Prozent-Bereich ab. Von einer bevorstehenden empfindlichen Niederlage der SPD möchte Frey aber dennoch nicht sprechen – nur davon, dass der Kanzlerkandidat bis zum Wahltag eben “so viel aufholen muss”. Steinmeiers Machthalluzinationen (“Ich will Kanzler aller Deutschen werden”) lässt Frey großzügig durchgehen; würde er 23 Prozent etwa für einen Erfolg der Sozialdemokratie halten?

Auch ansonsten kommt Steinmeier bei Frey erstklassig weg: Der arme SPD-Mann “schneidet sich die Zeit aus den Rippen”, um Herrn Freys Fragen zu beantworten; er ist “erst vorgestern” am Interviewort in den italienischen Bergen angekommen und muss “gleich nach dem Sommerinterview schon wieder zu einem überraschenden Termin”, obwohl doch eigentlich ein bisschen Urlaub angesagt ist – “aber geklagt wird nicht”. “Ob man das wirklich Urlaub nennen kann?” fragt sich Frey sichtlich bewegt, und es würde uns nicht wundern, wenn er beim Verfassen dieser Frage vor Rührung eine Packung Tempo weichgeschnäuzt hätte. Immerhin bleibt Steinmeier sogar noch einen Moment sitzen, um mit Bergbauer Heinrich zu schwatzen, auf dessen Bank das Interview stattgefunden hat. Frey darf dabeibleiben und bekommt “einen Begriff davon, wie kostbar doch solche Urlaubsminuten für den Kandidaten sind und dass er sie seinen Begleitern manchmal abtrotzen muss”.

Das ist ein – Frey würde wohl sagen – kostbarer Einblick in das Leben der Mächtigen, und wir müssen es dem mutigen, unerschrockenen ZDF-Investigator Peter Frey von Herzen danken, dass er knallhart draufgehalten und ganz ungeschminkt berichtet hat. (wh)

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Ein Kommentar zu “Knallhart draufgehalten”

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