Bratwurst statt Bodo

Wenn die thüringische Linkspartei am 1. August in Gera ihren Wahlkampfauftakt abfeiert, wird auch die Junge Union zahlreich vertreten sein – jedenfalls wenn es nach dem Bauplan einer Negativkampagne geht, die derzeit im Netz kursiert. Einem Schreiben an die Kreisvorsitzenden und den Landesvorstand der Jung-CDU im Freistaat zufolge soll dazu nämlich auch „das gezielte ‘Begleiten’ der Wahlkampfauftritte von Bodo Ramelow“ gehören, wobei man „in ‘zivil’ auftreten“ werde. (Werden bei der Jungen Union sonst Uniformen getragen?) Dem Schreiben nach spielt die Nachwuchstruppe der Kanzlerinnen-Partei im Wahlkampf böser Bulle, während die CDU, der Skifahrer Dieter Althaus sowie dessen „Team Thüringen“ für die guten Botschaften zuständig sind. Der amtierende Ministerpräsident solle mit „der kontrastierenden Werbung vorrangig nicht in Verbindung gebracht werden“, heißt es in dem Brief. Auf welchem Niveau sich die Anti-Links-Kampagne bewegen wird, ist vorhersehbar: Ein „Stoppt-Ramelow“-Blog, ohne Impressum aber offenbar Teil der Kampagne, dümpelt schon seit Juni im Netz herum und verspricht „Wahrheiten über die PDS“. Sogar ein Filmchen auf youtube klärt über die gefährliche Linkspartei auf – mit Bildern von Todesstreifen und Mauer. Und als passte das zusammen, stellt die Junge Union in einem Flyer sogar Ramelows Westbiografie heraus. Dabei ein volkstümelndes Ressentiment zur Schau tragend, das man aus den Zeiten in Erinnerung hat, als „die bösen Wessis“ noch an allem Schuld waren. Damals dachten nicht wenige PDS-Wähler so, wie die Junge Union heute plakatiert. Von der Mutterpartei einer solchen Organisation regiert zu werden, kann nur noch Mitleid hervorrufen: Thüringer, ihr armen Würstchen! (tos)
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