Ohne Empfehlung

Nun bekommt die SPD noch ein weiteres Wahlkampf-Problem: Die IG Metall, die mächtigste Industriegewerkschaft, hat nicht die geringste Lust, ihren Mitgliedern die Wahl der Sozialdemokraten zu empfehlen. Was früher mal üblich war, bezeichnet IG-Metall-Chef Berthold Huber im Interview mit der Süddeutschen als nicht mehr zeitgemäß. Als SPD-Mitglied und eher – anders als sein Vorgänger Jürgen Peters – ein “Pragmatiker”, verlangt er gar nicht viel: Die SPD soll ja nur zugeben, dass Hartz IV und Rente mit 67 Fehler waren, die zum jetzigen miesen Image der Partei geführt haben. Eine Rücknahme verlangt er nicht ausdrücklich. Von Wahlprüfsteinen möchten Huber und seine Kollegen auch nicht mehr Gebrauch machen. Den Versuch, den Parteien vor der Wahl wichtige Fragen vorzulegen, nennt er wirkungslos. Wahrscheinlich auch, weil die Antworten darauf nach der Wahl bekanntlich nicht mehr viel wert sind. Die Linkspartei findet in dem nicht gerade kurzen Gespräch keine Erwähnung, und die beiden SZ-Interviewer kommen auch nicht auf die Idee, danach zu fragen. Dabei wäre es schon interessant gewesen zu erfahren, wie ein Gewerkschaftsvorsitzender damit umgeht, dass das Entstehen der Linken sich maßgeblich aus Initiativen von IG-Metall-Funktionären speist, die von der SPD-Politik die Nase voll hatten. Nicht zuletzt wegen der Stärke der Linken versucht sich die SPD jetzt an einigen Änderungen in der Sozialpolitik. All zu sehr möchte Huber die gute alte Sozialdemokratie eben auch nicht verärgern. Es reicht ja schon, wenn er in Sachen Hartz IV und Rente mit 67 ganz nah an der Linkspartei-Linie dran ist. (wh)

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