Nun auch Weckesser
Die Liste mehr oder weniger prominenter Abgänge bei der Linken ist um einen Namen länger: Im Tagesspiegel vom Dienstag erfährt man, dass Ronald Weckesser aus der Partei ausgetreten ist. Die Austrittsbegründung ist dort ebenfalls abrufbar. Ein wenig hat das Ganze den Charakter eines Wettlaufs: Weckesser teilt mit, er habe sich schon länger mit dem Gedanken getragen und habe nun “einfach Pech, dass andere schneller, entschiedener waren”. Schwere Geschütze fährt der seit seiner Zustimmung zum Verkauf der Dresdner Wohnungsgesellschaft Woba umstrittene Politiker gegen den Spitzenkandidten der sächsischen Linken auf: Er wolle André Hahn nicht auf dem Weg ins Ministerpräsidentenamt unterstützen, da dessen Charakter dagegen spreche. Die Begründung Weckessers hat sonst jenen Tenor, den man schon von Carl Wechselberg und Sylvia-Yvonne Kaufmann kennt: zu viel Populismus, Weg zur Sekte, zu viel Oskar Lafontaine. Einen neuen Akzent setzt der 60-Jährige mit dem Hinweis, der Linkspartei fehlten die Vierzig- bis Fünzigjährigen – und dem Vorwurf, „die ganz Jungen“, namentlich wird Katja Kipping genannt, seien zu „ungeduldig“ und könnten „nicht abwarten“. Ob Weckesser sein im Herbst ohnehin auslaufendes Landtagsmandat behält, ist bisher nicht bekannt. Die Partei hat ihn zur Rückgabe aufgefordert und scheint kaum traurig über den Abgang: Weckesser stehe schon “seit längerem der CDU politisch und menschlich näher als den Linken”, wird Landesgeschäftsführer Rico Gebhardt heute in den Nachrichtenagenturen zitiert. Im Zusammenhang mit einer Abstimmung im Dresdner Stadtrat hatte die Linksfraktion bereits im vergangenen Herbst ein Ausschlussverfahren gegen Weckesser angestrengt, das mit einer Art Duldung endete. Dessen Mitarbeiterin Christine Ostrowski war schon Anfang 2008 aus der Linkspartei ausgetreten.
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