Listengerangel in Sachsen
Ab Freitag will die sächsische Linkspartei ihre Kandidaten für die Landtags- und Bundestagswahlen im Herbst aufstellen. Bereits im Vorfeld gibt es einigen Wirbel um diverse Personalia – was eigentlich ein Beleg für Normalität sein könnte, schließlich ist Listenstreit auch bei anderen Parteien üblich. Da aber Differenzen bei der Linken einer besonderen Aufmerskamkeitsökonomie unterworfen sind, dürften die öffentlichen Reaktionen anders ausfallen. Es passt einfach zu sehr in das gut gepflegte Bild einer zerstrittenen Partei. Wie hier schon vermutet, spielt in der Diskussion um die Sachsen-Kandidaten der frühere Leiter des Hannah-Arendt-Instituts in Dresden, Gerhard Besier, eine Rolle. Wie das Neue Deutschland am Mittwoch bereits berichtete (leider nur in Bezahlversion), taucht der Historiker ungeachtet der Widerstände im Landesverband im Vorschlag des Vorstandes auf einem „todsicheren mittleren Platz“ auf. Die komplette Liste findet sich hier. Darüber, dass der IG-Metaller Heinz Hoffmann von der Landesspitze nur auf Platz 30 gesetzt wurde, werden sich Gewerkschafter zu recht beklagen. Mit der pressewirksamen Vorstellung als Mitglied des Kompetenzteams von „Ministerpräsidentenkandidat“ André Hahn ist ein solcher, nach den jüngsten Ergebnissen und Umfragen keineswegs als sicher zu bezeichnender Platz nur schwer zu vereinbaren. Als „Autoritätsbeweis“ für Hahn kann das jedenfalls nicht verstanden werden. Auf der Vorschlagsliste für die Landtagswahl findet sich übrigens nur ein früheres WASG-Mitglied. Interessant ist auch der Vorschlag für die ersten fünf Plätze auf der Landesliste für die Bundestagswahl. Geht man davon aus, dass die Linkspartei ihr Ergebnis von 2005 mindestens wiederholen kann, erscheint die Entsendung von acht Abgeordneten über die Liste als wahrscheinlich. Auf dem Wunschzettel des Vorstands für die Plätze 1 bis 5 finden sich jedoch vier derzeitige Bundestagsabgeordnete nicht wieder, das Gerangel um die Plätze 6 bis 8 dürfte also erheblich sein. Zumal auch der frühere Nordost-Staatssekretär Klaus Sühl ins Rennen geht und von Hahn dabei unterstützt wird. Barbara Höll, Monika Knoche, Michael Leutert und Jörn Wunderlich haben ebenfalls wieder ihren Hut in den Ring geworfen. Für alle wird es aber kaum reichen. André Hahn hat in seinem Blog durchblicken lassen, wie umstritten die Personalfragen sind. Es gebe „naturgemäß auch unterschiedliche Sichtweisen“; ein Treffen in einem Dresdner Hotel, an dem auch Gregor Gysi teilgenommen hat, beschäftigte sich in der vergangenen Woche mit den Personalia und endete sicher nicht ohne Grund erst „weit nach Mitternacht“.
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Die Junge Welt berichtet am Donnerstag, Hoffmann hätte es “gar nicht auf den Listenvorschlag” geschafft. Vielleicht ist dem Blatt der Furor nicht bekommen, mit dem sich über den “Versuch eines Durchmarsches des Forums Demokratischer Sozialismus und seiner Verbündeten” beklagt wird. Die sollten mal richtig lesen: http://www.jungewelt.de/2009/06-11/049.php