Lückenschluss in Sachsen
Wie kompensiert man einen wütenden Abgang? Man gibt einen Neuzugang bekannt. Nach dem Austritt von Roland Weckesser hat die sächsische Linke gestern nicht nur zwei neue Mitglieder des „Kompetenzteams“ von „Ministerpräsidentenkandidat“ André Hahn vorgestellt – einer davon, der nicht unumstrittene Historiker Gerhard Besier, ist zudem, wie jetzt bekannt wurde, bereits im April in die Partei eingetreten. Hahn sprach bei der Vorstellung vom Schließen „wichtiger Lücken“. Dabei wird er allerdings nicht zuerst an Weckesser gedacht haben, sondern an die nicht unerhebliche Zahl von Linkspolitikern, die dem nächsten Landtag nicht mehr angehören werden. Der langjährige Fraktionschef Peter Porsch hört ebenso auf wie die Arbeitsmarktexpertin Caren Lay, die für den Bundestag kandidiert. „Gelegentlich“, so Hahn in Dresden, sei schon „darüber spekuliert worden, wie denn die Fraktion diesen personellen Umbruch verkraften wird“. Ende der Woche wird der Landesvorstand einen Listenvorschlag für die Landtagswahl am 30. August unterbreiten – und es klingt wie eine eindringliche Bitte, wenn Hahn erklärt, er habe „großes Vertrauen in die Delegierten der Vertreterversammlung“, dass diese dafür sorgen werden, „dass auch in der neuen Fraktion viel Kompetenz“ versammelt sein wird. Denn Besier, der frühere Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung an der TU Dresden, wird womöglich nicht überall an der sächsischen Basis mit Beifall empfangen. Der “Freigeist”, wie ihn heute das Neue Deutschland nennt, hatte unter anderem an einem Papier zum Geschichtsverständnis der Partei und ihrer Sicht auf die DDR mitgearbeitet, das vor einiger Zeit für parteiinternen Wirbel sorgte. Die Kommunistische Plattform hatte die 20 Thesen als „im Osten in der Linken nicht mehrheitsfähig“ bezeichnet. Wie die Mehrheiten in dieser Frage tatsächlich aussehen, kann man vielleicht vom 12. bis 14. Juni beobachten, wenn in Burgstädt die linke Landesliste gewählt wird: am Ergebnis für Besier.
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Ein Kommentar zu “Lückenschluss in Sachsen”