Twitter und EU-Personalien

Am Dienstag konnte man einem interessanten Netzdialog beiwohnen: „Sabine Wils heute zur Chefin der deutschen Linken im Europaparlament gewählt …“, twitterte da einer. „Wieso das denn? Keine anderen Kandidaten/innen oder Kampfabstimmung?“, fragte jemand zurück. „Ich spare mir mal alle Kommentare und Spekulationen. Du bist ja selber schlau genug“, lautete die Antwort. Man könnte ein gewisses Maß an Kritik an der Personalie herauszulesen. Aber ist das auch so? Und was sind die Gründe; geht es um Strömungspolitik oder Kompetenz? Handelt es sich hier womöglich um ein persönliches Gespräch? Je mehr Twitter von Politikern genutzt wird, umso häufiger tauchen solche Fragen auf. Vor einigen Tagen waren Berliner Medienwissenschaftler zu Besuch, die sich für die Rolle von Internetdiensten wie Twitter für die journalistische Arbeit interessierten. Anlass zu ein wenig Selbstbefragung. Lassen sich die mehr oder weniger persönlichen Kurznachrichten für die Berichterstattung nutzen? Handelt es sich bei Twitter eher um ein Informationsmittel zweiter Ordnung, also um eines, das allenfalls neue Fragen hervorbringt – aber keine „Wahrheiten“ und Fakten? Wie ist es um die Authentizität bestellt, wird via Twitter eine bereits zitierbare Öffentlichkeit hergestellt? Oder ist man als Follower zur Selbstbeschränkung wie beim üblichen „unter drei“ aufgerufen? Nun sollte zwar in jedem Fall gelten: Nachfrage und zweite Quelle sind Pflicht. Aber die Arbeitswirklichkeit gerade in Blogs ist bekanntermaßen eine andere. In denen wird schnell einmal Ungeprüftes weitergegeben – auch aus Twitter. Und die aktuelle Iran-Berichterstattung der „seriösen“ Medien hat ein ähnliches Problem. Zurück nach Brüssel: Zu Wils‘ Stellvertreter wurde der bisher im Parteivorstand für internationale Arbeit zuständige Helmut Scholz gewählt; für die Finanzen wird Jürgen Klute verantwortlich sein. Am Mittwoch wurde dann wie erwartet Lothar Bisky zum Chef der Linksfraktion im Europäischen Parlament bestimmt. Der Linksparteivorsitzende hatte keinen Gegenkandidaten, sein Vorgänger Francis Wurtz war nicht wieder zur Europawahl angetreten. Die deutsche Delegation ist mit acht Abgeordneten die größte Gruppe innerhalb der GUE/NGL, die insgesamt 35 Abgeordnete aus 13 EU-Mitgliedsstaaten umfasst.

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