Lothar wer?

Über das geringe Interesse an den Europawahlen war hier im Blog schon die Rede. Zu den möglichen Gründen liefert jetzt eine Forsa-Umfrage einen Hinweis: Kaum jemand kennt die Kandidaten. Das trifft natürlich zuallererst auf die hier und da hängenden Gesichter aus der zweiten und dritten Reihe zu. Mir zum Beispiel begegnet auf dem Weg in die Redaktion jeden Tag eine gewisse Dagmar Roth-Behrendt, von der die Berliner SPD sagt, sie sei „eine der wichtigsten Expertinnen für Verbraucherschutz“. Wenn man das doch schon früher gewusst hätte. Immerhin hat die Frau mit Listenplatz 9 überhaupt eine realistische Chance, wieder in das Europaparlament einzuziehen. Was man vom schwäbischen FDP-Kandidaten Gerhard Aden nicht behaupten kann – der Liberale steht auf Rand 105 der liberalen Bundesliste. Ihn nicht zu kennen, wäre also kein Beinbruch. Aber die übergroße Mehrheit der Deutschen kann noch nicht einmal die Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien benennen. Mit Hans-Gert Pöttering von der CDU konnten nur zwei Prozent der Befragten etwas anfangen, Martin Schulz’ Kandidatennummer kannten nur sechs Prozent, ihm ergeht es damit wie Lothar Bisky. Bloß warum wissen nicht einmal die Anhänger der Linken, dass der durchaus beliebte Parteichef die Europawahlliste anführt? 88 Prozent ist der Spitzenkandidat ihrer favorisierten Partei unbekannt. Dabei prangt Bisky sogar groß auf Wahlplakaten. Vielleicht denken manche aber auch, der Name des abgebildeten Mannes sei „Vernunft“.

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