Wer macht die Umfragen?

Die Europawahlen laufen, die bereits bekannten Ergebnisse aus den Niederlanden und die dortigen Gewinne der Rechten haben hier und dort noch einmal dringliche Aufrufe ausgelöst, sich zu beteiligen. Da schaut sich mancher noch einmal die Umfragen an – aber von wem kommen die eigentlich. Man findet etwa eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, das einen Sieg des „bürgerlichen Lagers“ prognostiziert, was nicht so schwer ist. Aber was ist das für ein Institut? 1991 als Spinn-Off des Instituts für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Köln gegründet und inzwischen Aktiengesellschaft, Mitglied der internationalen YouGov Gruppe mit Sitz in London, die vom Standard als „seriös“ bezeichnet wird. Ein Tochterunternehmen ist beratend für die Versicherungsbranche tätig, ein anderes fördert „die Kundenorientierung der Unternehmen, die uns beauftragen“. Immer wieder liest man auch Umfragen von predict09.eu, eine von der PR-Agentur Burson-Marsteller finanzierte Forschungsgruppe, deren Ergebnisse von der „parteiübergreifenden Europa-Union Deutschland“ präsentiert werden. Der bei Burson-Marsteller für Public Affairs Practise zuständige Chef ist zugleich Pressesprecher der Europa-Union, einem Verein, der „unter voller Wahrung seiner geistigen, politischen und organisatorischen Unabhängigkeit“ bestrebt ist, „die öffentliche Meinung, die politischen Parteien, die Parlamente und die Regierungen für die föderative und demokratisch-rechtsstaatliche Vereinigung der europäischen Völker zu gewinnen“. Der Pressesprecher, ein Unternehmensberater, wollte 2004 für die CDU zur Europawahl antreten und hat für die Partei auch schon Wahlwerbung gemacht. Die Europa-Union Deutschland stellt ein „Muster-Interview“ zur Verfügung, das zumindest von der Freien Presse für eine Art Wahlbeteiligungs-Werbung benutzt wurde.

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Ein Kommentar zu “Wer macht die Umfragen?”

  1. Lesender Arbeiter sagt:

    Mal sehen, wie aussagefähig die Umfragen sind, die Taz hört schon die Alarmsirenen bei der Linken, wenn die Partei bei sieben Prozent hängenbleibt. Andere haben aber auch Sorge: Merkel bereitet ihre Union auch schon auf ein schlechteres Ergebnis vor als 2004 und die Grünen können auch nicht auf Verbesserung hoffen.

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