Der Kommissar geht um
Ein kurzer Nachtrag zur Dehm-Liebich-Kiste: Wenn man die Linkspartei vor allem als Summe der in ihr geführten Konflikte wahrnimmt, kann einem ganz schön gruselig werden. Ist es nur ein falscher Eindruck oder mehren sich die Vorwürfe in Stil und Ton vergangen geglaubter Zeiten? Das geht schon mit der inflationären Verwendung der Totschlagvokabel „Sektierertum” los. Eifrige Ermittler entdecken bei der innerparteilichen Konkurrenz „parteischädigendes Verhalten”, die Drohung man werde sich nun häufiger vor der Schiedskommission treffen, steht im Raum. Leuten, die als störend empfunden werden, wird die Mitgliedschaft verweigert. Was kommt als nächstes? Der Umtausch der Parteidokumente? Die autoritäre Versuchung ist keine Spezialität des einen oder anderen Flügels. Letztes Beispiel: Dieter Dehms desavouierende Email an Stefan Liebich. „Wer schreibt hier eigentlich wem? Ein Genosse einem Genossen? Der Politkommissar dem Abweichler? Oder doch eher der Bewährungshelfer dem Straffälligen?”, fragt sich mein Ex-Kollege Wolfgang im Neuen Deutschland von heute – und fühlt sich „an die Praxis der DDR-Behörden, die bei so genannter Republikflucht auch die Mitwisserschaft unter Strafe stellten” erinnert. „Kaufmann ist rübergemacht, Liebich hat’s gewusst – das ist letztlich der Vorwurf. Eine Art politische Sippenhaft”. Den ganzen Kommentar gibt es hier zu lesen.
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